# html-einfach.de: Volltext aller Wissensseiten (llms-full.txt)
> Digitale Barrierefreiheit nach BFSG, BITV und WCAG 2.2: verständlich erklärt und mit semantischem HTML umgesetzt. Praxiswissen für zugängliche Websites.
Diese Datei enthält den vollständigen Text von 214 Wissensseiten zu digitaler Barrierefreiheit nach deutschem Recht (BFSG, BITV, WCAG 2.2), semantischem HTML, barrierefreien Komponenten sowie SEO und KI (inklusive einer Referenz aller 55 WCAG-2.2-Erfolgskriterien der Stufen A und AA).
- Stand: 2026-09-07 (bei jedem Build neu erzeugt)
- Autor: Jakob Sommer, Webdesigner & Entwickler (https://html-einfach.de/ueber-mich.html)
- Kurzfassung mit Linkliste: https://html-einfach.de/llms.txt
- Kanonische Fassung jeder Seite: siehe die URL im jeweiligen Abschnitt
- Zitieren mit Quellenangabe und Link ist ausdrücklich erwünscht
- Rechtsthemen sind Information, keine Rechtsberatung
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# Barrierefreiheit verstehen
- URL: https://html-einfach.de/barrierefreiheit-verstehen.html
- Themenbereich: Barrierefreiheit verstehen
- Zuletzt geändert: 2026-08-17
- Kurzbeschreibung: Barrierefreiheit verstehen: wer auf zugängliche Websites angewiesen ist, mit welchen Hilfsmitteln gesurft wird und warum sich der Aufwand rechnet.
**Barrierefreiheit im Web heißt, dass Inhalt und Bedienung auch ohne Sehen, Hören, Maus oder schnelles Lesen funktionieren. Fang bei den Menschen an, dann bei ihren vier Bedienweisen. Der Rest der Website ist die technische Antwort darauf.**
Diese vier Bedienweisen sind Screenreader, Vergrößerung, Tastatur und Stimme. Wer sie einmal verstanden hat, liest jede WCAG-Regel danach als Konsequenz statt als Vorschrift. Dieser Bereich beantwortet das „Wer“ und „Warum“, bevor es woanders um Kriterien und Code geht.
## Das Wichtigste in Kürze
- Zum Jahresende 2025 lebten in Deutschland gut **7,8 Millionen schwerbehinderte Menschen**, 9,4 % der Bevölkerung (Destatis, Pressemitteilung vom 13. Juli 2026). Weltweit sind es laut WHO 1,3 Milliarden.
- **91 % dieser Behinderungen entstehen durch Krankheit**, nur 3 % sind angeboren und 79 % der Betroffenen sind 55 Jahre oder älter. Barrierefreiheit ist damit auch ein Thema alternder Kundschaft, nicht nur einer Minderheit.
- Es geht selten um Blindheit allein. Sehbehinderung, Schwerhörigkeit, motorische und kognitive Einschränkungen betreffen zusammen deutlich mehr Menschen und **situative Einschränkungen** treffen jeden: grelles Sonnenlicht, ein Arm im Gips, laute Umgebung ohne Kopfhörer.
- Wer eine Seite mit einem Screenreader hört, liest sie nicht von oben nach unten, sondern **springt**: über Überschriften, Landmarks und Linklisten. Gutes Markup wird dabei belohnt, schlechtes fällt sofort auf.
- **Ein Nutzer, ein Screenreader** ist die falsche Vorstellung: 71,6 % nutzen mehr als ein Programm, 43 % drei oder mehr (WebAIM-Umfrage, Januar 2024).
- **Stand Februar 2026:** 95,9 % von einer Million untersuchten Startseiten hatten erkennbare WCAG-Fehler, im Schnitt 56,1 pro Seite. Sechs Fehlerarten verursachen 96 % davon. Angeführt von zu geringem Textkontrast (83,9 %).
- „Unsere Nutzer haben das nicht“ lässt sich nicht belegen: Assistive Technologien geben sich aus Datenschutzgründen **nicht zu erkennen** und tauchen in keiner Statistik auf.
- Seit dem 28. Juni 2025 ist Barrierefreiheit für viele private Anbieter zusätzlich Pflicht. Das Recht ist aber der Auslöser, nicht der Grund und dieser Bereich behandelt den Grund.
## Womit du anfängst
Mit einer einzigen Seite: [Wie Screenreader-Nutzer surfen](https://html-einfach.de/barrierefreiheit-verstehen/wie-screenreader-nutzer-surfen.html). Kein anderer Artikel verändert den Blick auf das eigene Markup so schnell. Wer einmal nachvollzogen hat, dass eine Seite als Liste von Überschriften, Landmarks und Links wahrgenommen wird und nicht als Bild, trifft danach andere Entscheidungen, ohne eine Regel auswendig gelernt zu haben.
Wer dagegen erst Budget oder Team überzeugen muss, startet bei [Zahlen und Business Case](https://html-einfach.de/barrierefreiheit-verstehen/zahlen-und-business-case.html). Dort steht jede Zahl mit Quelle und Stand, sodass sie in einer Präsentation Bestand hat.
Und wenn du zwanzig Minuten übrig hast: Installier einen Screenreader und hör dir deine eigene Startseite an. Ich würd dafür NVDA nehmen, das ist kostenlos. Die Erfahrung ist unbequem, beendet aber jede Diskussion schneller als eine Statistik.
## Wie dieser Bereich aufgebaut ist
**Menschen und ihre Einschränkungen** steht am Anfang, weil hinter jedem Kriterium eine konkrete Nutzungssituation liegt: [Sehbehinderung und Blindheit](https://html-einfach.de/barrierefreiheit-verstehen/sehbehinderung-und-blindheit.html), [Gehörlosigkeit und Schwerhörigkeit](https://html-einfach.de/barrierefreiheit-verstehen/gehoerlosigkeit-und-schwerhoerigkeit.html), [motorische Einschränkungen](https://html-einfach.de/barrierefreiheit-verstehen/motorische-einschraenkungen.html) sowie [Kognition und Neurodiversität](https://html-einfach.de/barrierefreiheit-verstehen/kognition-und-neurodiversitaet.html). Dazu gehört der oft übersehene Rest von uns: [situative und temporäre Einschränkungen](https://html-einfach.de/barrierefreiheit-verstehen/situative-und-temporaere-einschraenkungen.html): das Baby auf dem Arm, die Sonne auf dem Display, der gebrochene Finger. Den Perspektivwechsel liefert [wie Screenreader-Nutzer tatsächlich surfen](https://html-einfach.de/barrierefreiheit-verstehen/wie-screenreader-nutzer-surfen.html).
**Assistive Technologien** sind die Werkzeuge, mit denen diese Menschen arbeiten: [Screenreader wie NVDA, JAWS und VoiceOver](https://html-einfach.de/barrierefreiheit-verstehen/screenreader-ueberblick.html), [Bildschirmvergrößerung](https://html-einfach.de/barrierefreiheit-verstehen/bildschirmvergroesserung.html), [Sprachsteuerung](https://html-einfach.de/barrierefreiheit-verstehen/sprachsteuerung.html), die [Braillezeile](https://html-einfach.de/barrierefreiheit-verstehen/braillezeile.html) und die [Tastatur- und Switch-Bedienung](https://html-einfach.de/barrierefreiheit-verstehen/tastatur-und-switch-bedienung.html). Sie alle haben eines gemeinsam: Sie lesen nicht die Seite, wie sie aussieht, sondern das, was der Browser aus dem Markup ableitet. Wer das verstanden hat, liest jedes HTML-Element anders und begreift, warum [semantisches HTML](https://html-einfach.de/semantisches-html.html) kein Stilmittel ist, sondern die Schnittstelle, über die diese Technik überhaupt funktioniert.
**Warum es zählt** liefert die Argumente für alle, die intern überzeugen müssen: [Zahlen und Business Case für Deutschland](https://html-einfach.de/barrierefreiheit-verstehen/zahlen-und-business-case.html), der [Curb-Cut-Effekt und die hartnäckigsten Mythen](https://html-einfach.de/barrierefreiheit-verstehen/curb-cut-effekt-und-mythen.html) und [das Recht als Auslöser](https://html-einfach.de/barrierefreiheit-verstehen/recht-als-ausloeser.html), das von der UN-Behindertenrechtskonvention bis zu BFSG und BITV führt und direkt in [WCAG & BFSG](https://html-einfach.de/wcag-und-bfsg.html) überleitet.
> **Randnotiz: warum dieser Bereich zuerst kommt.** Man kann Alt-Texte schreiben, ohne je gehört zu haben, wie ein Screenreader sie vorliest. Aber man schreibt bessere, wenn man es einmal gehört hat. Verstehen macht aus Regelbefolgung Handwerk. Deshalb steht dieser Bereich am Anfang des roten Fadens: Verstehen → Recht → Umsetzung → Testen → Auffindbarkeit.
## Häufige Fragen
### Betrifft Barrierefreiheit wirklich so viele Menschen?
Mehr, als die Statistik zeigt. Amtlich erfasst sind 7,8 Millionen schwerbehinderte Menschen in Deutschland, aber der Schwerbehindertenausweis setzt einen Grad von 50 voraus. Leichtere Sehschwächen, Farbfehlsichtigkeit, altersbedingte Einschränkungen und motorische Probleme fallen komplett heraus. Rechnet man situative Einschränkungen hinzu, ist niemand dauerhaft außerhalb der Zielgruppe.
### Reicht es nicht, an blinde Nutzer zu denken?
Nein, und es ist sogar die kleinste der betroffenen Gruppen. Der mit Abstand häufigste Fehler im Web ist zu geringer Textkontrast. Das ist ein Problem für Menschen mit Sehschwäche, für ältere Augen und für jeden, der draußen auf ein Display schaut. Danach kommen fehlende Alternativtexte und unbeschriftete Formularfelder.
### Wie merke ich, ob meine Nutzer Hilfsmittel verwenden?
Gar nicht. Screenreader, Vergrößerungssoftware und Sprachsteuerung geben sich gegenüber Websites nicht zu erkennen; das ist aus Datenschutzgründen so gewollt. Die Aussage „bei uns nutzt das niemand“ ist deshalb nicht belegbar und zirkulär, weil eine unbedienbare Seite genau die Statistik erzeugt, mit der sie sich rechtfertigt.
### Muss ich Programmieren können, um diesen Bereich zu verstehen?
Nein. Die Seiten hier erklären Menschen, Situationen und Hilfsmittel, nicht Code. Wer entscheidet, einkauft oder Inhalte pflegt, findet hier genau die Grundlagen, die in Ausschreibungen und Abstimmungen fehlen. Der Code kommt in den anderen Bereichen.
### Was ist der schnellste Weg zu einem echten Aha-Moment?
Die Maus weglegen und versuchen, die eigene Website nur mit der Tabulatortaste zu bedienen. Das dauert fünf Minuten, braucht keine Software und deckt zuverlässig auf, was der Fokus nicht erreicht.
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# Sehbehinderung & Blindheit: So nutzen Betroffene das Web
- URL: https://html-einfach.de/barrierefreiheit-verstehen/sehbehinderung-und-blindheit.html
- Themenbereich: Barrierefreiheit verstehen
- Zuletzt geändert: 2026-07-26
- Kurzbeschreibung: Sehbehinderung und Blindheit im Web: amtlich 558.725 Betroffene, das Spektrum reicht weit über Schwarz-Weiß hinaus. Das bedeutet klare Anforderungen an Kontrast, Zoom, Alt-Text und Struktur.
**Sehbeeinträchtigung ist ein Spektrum, kein Schalter: Der weit größere Teil der
Betroffenen ist nicht blind, sondern sieht unscharf, ausschnitthaft, blendempfindlich
oder farbverschoben. Amtlich erfasst sind in Deutschland 558.725 Menschen, die
realistische Zahl liegt deutlich höher. Für Websites folgt daraus keine
Sonderbehandlung, sondern vier handfeste Anforderungen: ausreichender Kontrast,
verlustfreie Vergrößerung, Textalternativen und eine Struktur, die im Markup steckt
statt nur in der Optik.**
## Das Wichtigste in Kürze
- Amtlich erfasst (Schwerbehindertenstatistik, Stand 31.12.2021): 71.260 blinde, 46.820
hochgradig sehbehinderte und 440.645 sehbehinderte Menschen. Zusammen sind das 558.725. Der
[DBSV](https://www.dbsv.org/zahlen-fakten.html) nennt das eine „gesicherte untere
Grenze“, weil längst nicht alle Betroffenen einen Schwerbehindertenausweis beantragen.
- Blind im Rechtssinn ist, wer auf dem besseren Auge mit Korrektur höchstens 1/50 (0,02)
Sehschärfe erreicht oder ein entsprechend stark eingeschränktes Gesichtsfeld hat.
Sehbehindert beginnt bei weniger als 1/3 (0,3).
- Rund 8 % der Männer und 0,5 % der Frauen haben eine Farbsinnstörung, meist eine
Rot-Grün-Schwäche. Das ist kein Sehen in Graustufen, sondern das Zusammenfallen
bestimmter Farbpaare.
- Häufigster automatisch messbarer Fehler im Web überhaupt ist zu geringer Textkontrast.
Er betrifft 83,9 % von einer Million untersuchten Startseiten, im Schnitt an 34 Stellen
pro Seite (WebAIM Million, Februar 2026).
- Wer stark vergrößert, sieht die Seite wie durch ein Fernglas. Weit auseinanderliegende
Bezüge (Feld links, Fehlermeldung rechts oben) fallen dabei auseinander.
- Die Pflichtwerte: 4,5:1 für normalen Text, 3:1 für große Schrift und Bedienelemente,
200 % Textvergrößerung ohne Funktionsverlust, Umbruch bei 320 CSS-Pixeln Breite.
- Blinde Nutzer arbeiten mit
[Screenreader](https://html-einfach.de/barrierefreiheit-verstehen/screenreader-ueberblick.html) und
[Braillezeile](https://html-einfach.de/barrierefreiheit-verstehen/braillezeile.html) und navigieren
ausschließlich über die Tastatur. Für sie entscheidet allein das Markup.
- Seit dem 28. Juni 2025 sind diese Anforderungen für viele private Angebote über das
[BFSG](https://html-einfach.de/wcag-und-bfsg/bfsg-einfach-erklaert.html) verpflichtend, für öffentliche
Stellen schon länger über die [BITV 2.0](https://html-einfach.de/wcag-und-bfsg/bitv-2-0-erklaert.html).
## Das Spektrum: viel mehr als Blindheit
„Blind oder nicht blind“ ist die falsche Vorstellung und sie führt direkt zu falschen
Prioritäten. In Deutschland sind die Stufen sogar juristisch definiert, gemessen wird
immer am besseren Auge mit bestmöglicher Korrektur:
| Stufe | Sehschärfe | Größenordnung (Stand 31.12.2021) |
| --- | --- | --- |
| Sehbehinderung | weniger als 1/3 (0,3) | 440.645 |
| hochgradige Sehbehinderung | weniger als 1/20 (0,05) | 46.820 |
| Blindheit | höchstens 1/50 (0,02) oder Gesichtsfeldausfall | 71.260 |
Zwei Dinge fallen an dieser Tabelle auf. Erstens: Blindheit ist die kleinste der drei
Gruppen. Zweitens: Auch „blind“ heißt selten „sieht nichts“. Ein großer Teil der
gesetzlich blinden Menschen nimmt Hell und Dunkel wahr, manche erkennen Umrisse oder
lesen mit extremer Vergrößerung noch einzelne Wörter. Im
[WebAIM-Survey #10](https://webaim.org/projects/screenreadersurvey10/) (Januar 2024)
bezeichnen sich 76,6 % der Screenreader-Nutzer mit Behinderung als blind. 19,9 %
bezeichnen sich aber als sehbehindert. Ein Fünftel derer, die Sprachausgabe nutzen, schaut also nebenbei auf
den Bildschirm. Deshalb greifen Kontrast und Struktur bei denselben Menschen ineinander.
Dazu kommen die Gruppen, die in keiner Statistik als „behindert“ auftauchen und
trotzdem denselben Anforderungen begegnen: Alterssichtigkeit ab etwa Mitte vierzig,
Farbsinnstörungen bei rund 8 % der Männer, Blendempfindlichkeit nach einer
Augenoperation, trockene Augen am Ende eines Bildschirmtags.
Bitte eine fünfstellige Postleitzahl eingeben, zum Beispiel 10115.
``` Dasselbe gilt für Links im Fließtext (unterstreichen, nicht nur einfärben), für Statusspalten in Tabellen (Wort statt Punkt) und für Diagramme. Dort helfen zusätzlich Muster und direkte Beschriftungen, siehe [barrierefreie Diagramme](https://html-einfach.de/barrierefreie-komponenten/barrierefreie-diagramme.html). ## Textalternativen: was das Bild sagt, nicht was es zeigt Ein Alt-Text beschreibt nicht das Bild, sondern seine Funktion an dieser Stelle. Dasselbe Foto braucht in einem Produktkatalog einen anderen Alt-Text als in einem Reisebericht. ```html