WCAG & BFSG · WCAG-Referenz: Bedienbar
WCAG 2.4.11: Fokus nicht verdeckt (Minimum)
Wenn ein Element den Tastaturfokus erhält, darf es nicht vollständig von anderen Inhalten verdeckt sein – von Sticky-Headern, Cookie-Bannern, Chat-Widgets oder klebenden Fußleisten. Ein Fokus hinter einem Banner ist so nützlich wie gar keiner. (Englisch: Focus Not Obscured (Minimum).)
| Stufe | Prinzip | Teil der WCAG seit | Rechtlich verbindlich? |
|---|---|---|---|
| AA | Bedienbar | 2.2 (2023) | Noch nicht Teil der EN 301 549 (Stand Juli 2026) – Umsetzung dringend empfohlen |
Was verlangt das Kriterium?
Das Minimum: teilweise Verdeckung ist erlaubt, vollständige nicht (die strengere Variante ohne jede Verdeckung ist 2.4.12 auf AAA). Der typische Hergang: Nutzer tabbt durch die Seite, der Browser scrollt das fokussierte Element gerade so in den Viewport – und exakt dort klebt der Sticky-Header darüber. Der Nutzer sieht seinen Fokus nie.
Wen betrifft es besonders?
Sehende Tastaturnutzer – sie sind auf den sichtbaren Fokus angewiesen; wird er verdeckt, ist die Orientierung weg. Verschärft bei Vergrößerung: Sticky-Elemente belegen dort einen viel größeren Anteil des sichtbaren Ausschnitts.
Richtig & falsch im Code
/* Falsch: Sticky-Header ohne Rücksicht – fokussierte Elemente
scrollen genau darunter */
.site-header { position: sticky; top: 0; }
/* Richtig: Scroll-Puffer für alle fokussierbaren Elemente */
:focus,
:target {
scroll-margin-top: 6rem; /* Höhe des Sticky-Headers + Luft */
}
/* Alternative an der Wurzel: Scroll-Padding am Viewport */
html { scroll-padding-top: 6rem; }
Zweite Baustelle: selbst positionierte Overlays. Ein Cookie-Banner, das den unteren Viewport-Rand belegt, verdeckt beim Durchtabben genau die Elemente, die dort entlangscrollen – Banner deshalb so bauen, dass es den Fokus zuerst erhält oder Platz freigibt.
So testest du es
- Tab-Durchlauf auf Seiten mit Sticky-Elementen (Header, Filterleisten, Fußbanner): Ist das fokussierte Element jederzeit mindestens teilweise zu sehen?
- Gezielt rückwärts (Shift+Tab) von unten nach oben – die klassische Sticky-Header-Falle.
- Mit offenem Cookie-Banner und Chat-Widget wiederholen; auch im Querformat mit wenig Höhe.
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