WCAG & BFSG · Medien, Dokumente & Sprache
PDF-Barrierefreiheit
PDFs werden bei der Barrierefreiheit gern vergessen – dabei fallen sie unter dieselben Anforderungen. EN 301 549 deckt Dokumente ausdrücklich mit ab. Und in Behörden wie Unternehmen liegen oft hunderte PDFs, die niemand je geprüft hat. Das macht das Thema zu einem der größten – und am meisten unterschätzten – Compliance-Posten.
Was ein barrierefreies PDF ausmacht
Ein zugängliches PDF ist mehr als ein lesbar aussehendes. Es braucht eine maschinenlesbare Struktur – ganz analog zum semantischen HTML:
- Getaggt: Überschriften, Absätze, Listen und Tabellen sind als solche markiert (Tags), nicht nur optisch formatiert.
- Logische Lesereihenfolge: Der Tag-Baum gibt die Reihenfolge vor, in der ein Screenreader vorliest – unabhängig von der visuellen Anordnung.
- Alternativtexte für Bilder und Grafiken (siehe Alt-Texte schreiben).
- Dokumentsprache gesetzt (z. B. Deutsch), dazu ein aussagekräftiger Titel.
- Echter Text statt gescannter Pixel – ein eingescanntes Dokument muss per OCR in Text umgewandelt werden.
- Formularfelder mit Beschriftung, Tabellen mit Kopfzellen, Kontraste wie im Web.
PDF/UA: der Standard
PDF/UA (ISO 14289, „Universal Accessibility“) ist die Norm für barrierefreie PDFs. Sie konkretisiert, wie Tags und Struktur auszusehen haben. Ein PDF, das PDF/UA erfüllt und zusätzlich die WCAG-Inhalte beachtet, ist auf der sicheren Seite.
Prüfen
- Acrobat Pro bringt eine Barrierefreiheitsprüfung und die Tag-Ansicht mit.
- PAC (PDF Accessibility Checker) ist ein kostenloses Werkzeug, das gegen PDF/UA prüft.
- Manuell: mit dem Screenreader vorlesen lassen und die Reihenfolge per Tab durchgehen.
Randnotiz – HTML schlägt PDF fast immer. Bevor du ein PDF mühsam zugänglich machst, frag dich, ob es ein PDF sein muss. Eine HTML-Seite ist von Natur aus responsiv, durchsuchbar, leichter, besser für Mobilgeräte und einfacher barrierefrei zu halten. Für Inhalte, die online gelesen werden, ist HTML meist die bessere Wahl – das PDF nur für das, was wirklich zum Drucken oder Archivieren ist.
Häufige Fehler
- Gescanntes Dokument ohne OCR – für Screenreader nur ein Bild.
- Visuell formatiert, aber nicht getaggt – keine Struktur unter der Oberfläche.
- Falsche Lesereihenfolge, weil der Tag-Baum nicht zur Optik passt.
- Export ohne Tags aus Word/InDesign (Einstellung „Barrierefreiheit“ vergessen).
- PDF nehmen, wo HTML besser wäre.
Häufige Fragen
Macht „Speichern als PDF“ automatisch ein barrierefreies PDF?
Nein, aber der Grundstein liegt im Quelldokument: Wer in Word/InDesign saubere Überschriften, Alt-Texte und den getaggten Export nutzt, bekommt ein weitgehend zugängliches PDF.
Fällt mein PDF unter das BFSG?
Wenn es Teil einer erfassten Dienstleistung ist (z. B. eine Rechnung oder ein Vertrag im Onlineservice), ja. Dokumente sind von EN 301 549 abgedeckt.
Reicht die Prüfung in Acrobat?
Sie ist ein guter Anfang, findet aber nicht alles. Ergänze PAC und einen manuellen Screenreader-Test.
Fazit
Ein barrierefreies PDF ist getaggt, hat eine logische Lesereihenfolge, Alt-Texte, echte Texte und eine gesetzte Sprache – idealerweise nach PDF/UA und mit PAC geprüft. Der wichtigste Tipp kommt aber vorher: Prüfe, ob es überhaupt ein PDF sein muss. Für online gelesene Inhalte ist gutes HTML fast immer die zugänglichere Wahl.