WCAG & BFSG · WCAG verstehen
WCAG-Konformitätsstufen: A, AA & AAA
Jedes Erfolgskriterium der WCAG ist einer von drei Konformitätsstufen zugeordnet: A, AA oder AAA. Sie geben an, wie grundlegend eine Anforderung ist – von „unverzichtbar“ bis „höchstes Niveau“. Wer mit Barrierefreiheit zu tun hat, stolpert ständig über die Kürzel, deshalb lohnt es sich, sie einmal sauber einzuordnen.
Die Kurzfassung vorweg, weil sie für die meisten die eigentliche Antwort ist: Das Ziel heißt AA.
Was die drei Stufen bedeuten
- A – das Minimum. Grundlegende Anforderungen, ohne die ernste Barrieren bestehen. Werden sie verletzt, ist die Seite für manche schlicht unbenutzbar.
- AA – der Standard. Die Stufe, die größere, häufige Barrieren adressiert. Sie ist der praktische und rechtliche Zielwert – EN 301 549, BFSG und die Behörden-Regelungen beziehen sich auf AA.
- AAA – das höchste Niveau. Zusätzliche, strengere Anforderungen. Wertvoll, aber nicht überall erreichbar.
Die Stufen bauen aufeinander auf
Ein wichtiger Punkt, der oft untergeht: Die Stufen sind kumulativ. Wer AA erfüllen will, muss alle A- und alle AA-Kriterien erfüllen. AA ist also kein Ersatz für A, sondern schließt es ein. Entsprechend verlangt AAA zusätzlich noch alle AAA-Kriterien.
Man kann eine Stufe deshalb nur dann für sich beanspruchen, wenn wirklich jedes Kriterium dieser und der darunterliegenden Stufen erfüllt ist – ein einziges gerissenes A-Kriterium verhindert schon die AA-Konformität.
Warum AA und nicht AAA?
AAA klingt verlockend – warum nicht gleich das Höchste anstreben? Weil das W3C selbst sagt, dass AAA nicht für jeden Inhalt vollständig erreichbar ist. Einige AAA-Kriterien sind so streng, dass sie sich für eine ganze Website kaum durchhalten lassen.
| Beispiel | AA | AAA |
|---|---|---|
| Textkontrast | 4,5:1 | 7:1 |
| Live-Untertitel | nicht verlangt | verlangt |
| Gebärdensprache für Videos | nicht verlangt | verlangt |
Mein Vorgehen: AA als verbindliches Ziel, und einzelne AAA-Kriterien gezielt mitnehmen, wo sie ohne großen Aufwand drin sind – etwa der höhere Kontrast, wenn das Farbschema es ohnehin hergibt. AAA pauschal für die ganze Seite zu versprechen, wäre dagegen unseriös.
Was heißt das konkret für dich?
- Ziel setzen: WCAG 2.2 AA. Das deckt die gesetzlichen Anforderungen ab und beseitigt die allermeisten realen Barrieren.
- A zuerst sicherstellen. Da AA auf A aufbaut, sind die A-Kriterien die Pflichtbasis – ohne sie kein AA.
- AAA als Kür. Einzelne Punkte mitnehmen, aber nicht als Gesamtversprechen.
Welche Kriterien hinter den Stufen stehen, ergibt sich aus den vier POUR-Prinzipien; wie man den Stand prüft, zeigt Barrierefreiheit selbst testen.
Häufige Fragen
Reicht Stufe A nicht aus?
Für die gesetzliche Pflicht nicht – Bezugspunkt ist AA. Und auch fachlich lässt A viele relevante Barrieren offen (etwa ausreichende Kontraste, die erst auf AA verlangt werden).
Kann ich „teilweise AA“ sein?
Streng genommen ist Konformität ein Alles-oder-nichts pro Stufe. In der Praxis beschreibt man den Stand aber differenziert – „weitgehend konform mit benannten Ausnahmen“ – genau dafür ist die Barrierefreiheitserklärung da.
Muss jede Unterseite die Stufe erfüllen?
Ja, Konformität bezieht sich auf vollständige Seiten und Abläufe. Eine einzelne unzugängliche Seite oder ein gebrochener Checkout-Schritt bricht die Konformität des ganzen Prozesses.
Fazit
A ist das Minimum, AA der maßgebliche Standard, AAA das selektive Höchstmaß – und die Stufen bauen aufeinander auf. Für praktisch jedes Projekt lautet das Ziel WCAG 2.2 AA: Es erfüllt die rechtlichen Vorgaben und räumt die wichtigsten Barrieren aus. AAA nimmt man dort mit, wo es leichtfällt – verspricht es aber nicht für die ganze Seite.