WCAG & BFSG · WCAG verstehen
WCAG-Konformitätsstufen: A, AA & AAA
Jedes Erfolgskriterium der WCAG ist einer von drei Konformitätsstufen zugeordnet: A, AA oder AAA. Sie geben an, wie grundlegend eine Anforderung ist – von „unverzichtbar“ bis „höchstes Niveau“. Wer mit Barrierefreiheit zu tun hat, stolpert ständig über die Kürzel, deshalb lohnt es sich, sie einmal sauber einzuordnen. (Welche Kriterien konkret auf A und AA liegen, listet die Kriterien-Referenz – alle 55 einzeln erklärt.)
Die Kurzfassung vorweg, weil sie für die meisten die eigentliche Antwort ist: Das Ziel heißt AA.
Was die drei Stufen bedeuten
- A – das Minimum. Grundlegende Anforderungen, ohne die ernste Barrieren bestehen. Werden sie verletzt, ist die Seite für manche schlicht unbenutzbar.
- AA – der Standard. Die Stufe, die größere, häufige Barrieren adressiert. Sie ist der praktische und rechtliche Zielwert – EN 301 549, BFSG und die Behörden-Regelungen beziehen sich auf AA.
- AAA – das höchste Niveau. Zusätzliche, strengere Anforderungen. Wertvoll, aber nicht überall erreichbar.
Die Stufen bauen aufeinander auf
Ein wichtiger Punkt, der oft untergeht: Die Stufen sind kumulativ. Wer AA erfüllen will, muss alle A- und alle AA-Kriterien erfüllen. AA ist also kein Ersatz für A, sondern schließt es ein. Entsprechend verlangt AAA zusätzlich noch alle AAA-Kriterien.
Man kann eine Stufe deshalb nur dann für sich beanspruchen, wenn wirklich jedes Kriterium dieser und der darunterliegenden Stufen erfüllt ist – ein einziges gerissenes A-Kriterium verhindert schon die AA-Konformität.
Warum AA und nicht AAA?
AAA klingt verlockend – warum nicht gleich das Höchste anstreben? Weil das W3C selbst sagt, dass AAA nicht für jeden Inhalt vollständig erreichbar ist. Einige AAA-Kriterien sind so streng, dass sie sich für eine ganze Website kaum durchhalten lassen.
| Beispiel | AA | AAA |
|---|---|---|
| Textkontrast | 4,5:1 | 7:1 |
| Live-Untertitel | nicht verlangt | verlangt |
| Gebärdensprache für Videos | nicht verlangt | verlangt |
Mein Vorgehen: AA als verbindliches Ziel, und einzelne AAA-Kriterien gezielt mitnehmen, wo sie ohne großen Aufwand drin sind – etwa der höhere Kontrast, wenn das Farbschema es ohnehin hergibt. AAA pauschal für die ganze Seite zu versprechen, wäre dagegen unseriös.
Was heißt das konkret für dich?
- Ziel setzen: WCAG 2.2 AA. Das deckt die gesetzlichen Anforderungen ab und beseitigt die allermeisten realen Barrieren.
- A zuerst sicherstellen. Da AA auf A aufbaut, sind die A-Kriterien die Pflichtbasis – ohne sie kein AA.
- AAA als Kür. Einzelne Punkte mitnehmen, aber nicht als Gesamtversprechen.
Welche Kriterien hinter den Stufen stehen, ergibt sich aus den vier POUR-Prinzipien; wie man den Stand prüft, zeigt Barrierefreiheit selbst testen.
Häufige Fragen
Reicht Stufe A nicht aus?
Für die gesetzliche Pflicht nicht – Bezugspunkt ist AA. Und auch fachlich lässt A viele relevante Barrieren offen (etwa ausreichende Kontraste, die erst auf AA verlangt werden).
Kann ich „teilweise AA“ sein?
Streng genommen ist Konformität ein Alles-oder-nichts pro Stufe. In der Praxis beschreibt man den Stand aber differenziert – „weitgehend konform mit benannten Ausnahmen“ – genau dafür ist die Barrierefreiheitserklärung da.
Muss jede Unterseite die Stufe erfüllen?
Ja, Konformität bezieht sich auf vollständige Seiten und Abläufe. Eine einzelne unzugängliche Seite oder ein gebrochener Checkout-Schritt bricht die Konformität des ganzen Prozesses.
Fazit
A ist das Minimum, AA der maßgebliche Standard, AAA das selektive Höchstmaß – und die Stufen bauen aufeinander auf. Für praktisch jedes Projekt lautet das Ziel WCAG 2.2 AA: Es erfüllt die rechtlichen Vorgaben und räumt die wichtigsten Barrieren aus. AAA nimmt man dort mit, wo es leichtfällt – verspricht es aber nicht für die ganze Seite.
Quellen
- WCAG 2.2 – Erfolgskriterien mit Stufen (W3C-Empfehlung)
- Understanding Conformance (W3C/WAI)
- EN 301 549 V3.2.1 (Bezug auf AA, PDF)
- BFSG – knüpft technisch an Stufe AA an