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Glossar
Fachsprache soll erklären, nicht aussperren. Dieses Glossar sammelt die Begriffe, die auf dieser Website immer wieder auftauchen, und erklärt sie in ein, zwei Sätzen. Jeder Eintrag verlinkt auf den Artikel, der ihn ausführlich behandelt.
Das Wichtigste in Kürze
- 46 Begriffe aus fünf Feldern: Semantik und HTML-Struktur, Barrierefreiheit und ARIA, Menschen und assistive Technologien, WCAG und Recht sowie SEO und KI.
- Die Sortierung ist thematisch, nicht alphabetisch – weil die Begriffe sich in der Praxis genau so zusammenballen: Wer „ARIA“ nachschlägt, braucht „Rolle“ und „Live-Region“ meist im selben Atemzug.
- Die drei Abkürzungen, die am häufigsten verwechselt werden: WCAG ist der technische Standard, BITV die deutsche Verordnung für öffentliche Stellen, BFSG das Gesetz für Unternehmen seit dem 28. Juni 2025.
- a11y ist keine Produktbezeichnung, sondern eine Abkürzung: „accessibility“ mit elf Buchstaben zwischen a und y.
- Jeder Eintrag hat eine eigene
idund ist damit direkt verlinkbar – etwa/ressourcen/glossar.html#ariafür den ARIA-Eintrag. - Die Seite ist als HTML-Beschreibungsliste (
<dl>) ausgezeichnet, weil genau das der Musterfall für dieses Element ist. Semantik fängt bei den eigenen Seiten an.
Semantik & HTML-Struktur
- Semantisches HTML
- Markup, das die Bedeutung von Inhalten beschreibt – eine Navigation als
<nav>, eine Aktion als<button>– und nicht nur deren Aussehen. Das Fundament für Barrierefreiheit, SEO und wartbaren Code. Siehe Was ist semantisches HTML? - Landmark
- Bereichsrolle, die Maschinen das Grundgerüst einer Seite verrät (etwa
<header>,<nav>,<main>,<footer>). Screenreader springen damit direkt zwischen den Bereichen. Siehe Landmarks & Dokument-Outline - Dokument-Outline
- Die aus den Überschriften (
<h1>–<h6>) gebildete Gliederung einer Seite. Sie sollte der inhaltlichen Logik folgen, nicht der Optik. Siehe Überschriften-Hierarchie - Generisches Element (div / span)
- Elemente ohne eigene Bedeutung. Als reine Layout- oder Stil-Container sinnvoll, aber kein Ersatz für ein passendes semantisches Element. Siehe div vs. span
- „div-Suppe“
- Abwertend für Markup, das fast nur aus geschachtelten
<div>s besteht und so jede Semantik verliert. Siehe „div-soup“ vermeiden - Disclosure (Auf-/Zuklapp-Muster)
- Ein Bedienelement, das einen zugehörigen Inhalt ein- und ausblendet – nativ am einfachsten mit
<details>und<summary>. Siehe Akkordeons
Barrierefreiheit & ARIA
- Barrierefreiheit (a11y)
- Gestaltung, die Inhalte für möglichst alle nutzbar macht – unabhängig von Sehkraft, Motorik, Gehör oder Eingabegerät. Die Abkürzung „a11y“ steht für die 11 Buchstaben zwischen a und y. Siehe Barrierefreie Komponenten
- ARIA (WAI-ARIA)
- Ein Satz von Attributen, der HTML um Rollen und Zustände ergänzt – aber nur dort, wo native Elemente nicht reichen. Erste Regel: lieber das passende HTML-Element als ARIA. Siehe Die erste Regel von ARIA
- Rolle / State / Property
- Die drei ARIA-Bausteine: was ein Element ist (role), sein veränderlicher Zustand (z. B.
aria-expanded) und feste Eigenschaften (z. B.aria-label). Siehe Rollen, States & Properties - Accessibility Tree
- Die vom Browser aus dem DOM abgeleitete Struktur, die Screenreader und andere Hilfsmittel auslesen. Gutes Markup erzeugt einen sauberen Baum – fast von allein. Siehe Die erste Regel von ARIA
- Live-Region
- Ein Bereich, dessen Änderungen ein Screenreader ansagt, ohne dass der Fokus dorthin springt (
aria-live) – etwa für Statusmeldungen. Siehe Live-Regionen - Screenreader
- Software, die Bildschirminhalte vorliest oder auf einer Braillezeile ausgibt – etwa NVDA, VoiceOver oder JAWS. Siehe Screenreader im Überblick und Screenreader-Grundlagen
- Skip-Link
- Ein Sprunglink am Seitenanfang, der Tastatur- und Screenreader-Nutzende direkt zum Hauptinhalt bringt und die Navigation überspringt. Siehe Skip-Links
- Alt-Text
- Die Textalternative eines Bildes (Attribut
alt), die seine Funktion oder Aussage vermittelt. Rein dekorative Bilder bekommen ein leeresalt="". Siehe Alt-Texte richtig schreiben - Sichtbarer Fokus
- Die deutlich erkennbare Markierung des Elements, das gerade Tastaturfokus hat. Niemals ersatzlos entfernen. Siehe Tastatur & Fokus
- Zugänglicher Name (Accessible Name)
- Der Name, unter dem assistive Technologien ein Element ansagen und referenzieren – berechnet aus Textinhalt,
<label>,altoderaria-label. Muss den sichtbaren Text enthalten. Siehe WCAG 2.5.3 - ARIA-APG (Authoring Practices Guide)
- Der offizielle W3C-Leitfaden mit den Referenz-Mustern für ARIA-Widgets – von Tabs bis zum Datepicker-Dialog – inklusive verbindlichem Tastaturmodell.
Menschen & assistive Technologien
- Assistive Technologie (AT)
- Sammelbegriff für Hard- und Software, mit der Menschen mit Einschränkungen digitale Inhalte nutzen – Screenreader, Vergrößerung, Sprachsteuerung, Braillezeile, Switches. Siehe Barrierefreiheit verstehen
- Braillezeile
- Gerät, das Bildschirminhalte Zeile für Zeile in tastbare Blindenschrift übersetzt – der zweite Ausgabekanal des Screenreaders, für taubblinde Menschen der einzige. Siehe Braillezeile
- Bildschirmvergrößerung
- Vom Browser-Zoom über die System-Lupe bis zu Software wie ZoomText: Werkzeuge, die Inhalte stark vergrößern – und Seiten voraussetzen, die sauber umbrechen. Siehe Bildschirmvergrößerung
- Sprachsteuerung
- Bedienung per Stimme („Klicke Absenden“) mit Dragon, Voice Control oder Voice Access. Setzt voraus, dass sichtbare Beschriftung und zugänglicher Name übereinstimmen. Siehe Sprachsteuerung
- Switch (Taster-Bedienung)
- Ein oder mehrere Taster, mit denen Menschen mit stark eingeschränkter Motorik per Scanning durch Bedienelemente navigieren. Baut vollständig auf Tastatur-Zugänglichkeit auf. Siehe Tastatur- & Switch-Bedienung
- Curb-Cut-Effekt
- Benannt nach abgesenkten Bordsteinen: Lösungen für Menschen mit Behinderung nützen am Ende allen – wie Untertitel im Großraumbüro. Siehe Curb-Cut-Effekt & Mythen
WCAG & Recht
- WCAG
- Die Web Content Accessibility Guidelines – der internationale Standard für barrierefreie Web-Inhalte, aktuell in Version 2.2. Siehe WCAG 2.1 & 2.2 erklärt
- POUR
- Die vier WCAG-Prinzipien: wahrnehmbar, bedienbar, verständlich, robust (englisch perceivable, operable, understandable, robust). Siehe Die vier Prinzipien (POUR)
- Erfolgskriterium
- Eine einzelne, prüfbare WCAG-Anforderung, jeweils einer Stufe (A, AA, AAA) zugeordnet. Alle A/AA-Kriterien einzeln erklärt: Kriterien-Referenz
- Konformitätsstufen (A / AA / AAA)
- Die Abstufung der WCAG-Anforderungen. AA ist der in Praxis und Recht übliche Zielwert. Siehe Konformitätsstufen A / AA / AAA
- BFSG
- Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz – die deutsche Umsetzung des European Accessibility Act. Es gilt seit dem 28. Juni 2025 für viele private Angebote. Siehe BFSG einfach erklärt
- EAA (European Accessibility Act)
- Die EU-Richtlinie 2019/882, die EU-weit Barrierefreiheit für bestimmte Produkte und Dienste vorschreibt. In Deutschland umgesetzt durch das BFSG. Siehe BFSG einfach erklärt
- EN 301 549
- Die europäische Norm, die die technischen Anforderungen bündelt und dafür im Kern auf die WCAG (2.1 AA) verweist. Siehe BFSG einfach erklärt
- BITV 2.0
- Die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung für öffentliche Stellen des Bundes – der zweite Rechtsstrang neben dem BFSG. Siehe BITV 2.0 erklärt
- BGG
- Das Behindertengleichstellungsgesetz – Wurzelgesetz des öffentlichen Rechtsstrangs mit der Pflicht zu barrierefreier IT (§§ 12–12d), Überwachungs- und Schlichtungsstelle. Siehe BGG & § 12d
- EU-Richtlinie 2016/2102 (Web-Richtlinie)
- Die EU-Richtlinie, die öffentliche Stellen zu barrierefreien Websites und Apps verpflichtet – Grundlage von BITV & Co. Das private Gegenstück ist der EAA. Siehe EU-Richtlinie 2016/2102
- Schlichtungsstelle BGG
- Kostenlose Schlichtung nach § 16 BGG bei Streit über Barrieren bei Bundesstellen – angesiedelt beim Behindertenbeauftragten der Bundesregierung. Siehe Feedback & Schlichtungsstelle
- Überwachungsstelle
- Die Stellen von Bund (§ 13 BGG) und Ländern, die Websites öffentlicher Stellen periodisch auf Barrierefreiheit prüfen und an die EU berichten. Siehe Feedback & Schlichtungsstelle
- Marktüberwachung (BFSG)
- Die Behörden, die im privaten Strang die Einhaltung des BFSG kontrollieren – bis hin zu Vertriebsuntersagung und Bußgeld. Siehe Ausnahmen, Fristen & Bußgeld
- VPAT / Konformitätsbericht
- Standardisiertes Berichtsformat (Voluntary Product Accessibility Template), mit dem Anbieter die Barrierefreiheit ihres Produkts dokumentieren – üblich in Ausschreibungen. Siehe BITV-Test, Audit & VPAT
- Kontrastverhältnis
- Der messbare Helligkeitsunterschied zwischen Vorder- und Hintergrund. Richtwert: 4,5 : 1 für normalen Text. Siehe Farbkontraste
- Barrierefreiheitserklärung
- Die öffentliche Auskunft über den Stand der Barrierefreiheit eines Angebots – samt bekannter Lücken und Feedback-Weg. Siehe Barrierefreiheitserklärung erstellen, die Muster-Vorlagen und die Erklärung dieser Website
SEO & KI
- SEO
- Suchmaschinenoptimierung. Saubere Semantik und eine klare Struktur sind dabei die halbe Miete. Siehe Semantik & SEO
- GEO (Generative Engine Optimization)
- Inhalte so aufbereiten, dass KI-Antwortsysteme sie korrekt erfassen und zitieren. Siehe GEO-Grundlagen
- Strukturierte Daten / Schema.org
- Maschinenlesbare Auszeichnung von Inhalten (meist als JSON-LD), die Suchmaschinen und KI explizite Fakten liefert. Siehe Strukturierte Daten / Schema.org
- llms.txt
- Eine vorgeschlagene Textdatei im Web-Root, die KI-Systemen die wichtigsten Inhalte einer Website gebündelt zugänglich macht. Siehe llms.txt einrichten
- Web-Crawler / KI-Crawler
- Automatische Programme, die Seiten abrufen: klassische Suchmaschinen-Bots (Googlebot) und KI-Bots (GPTBot, ClaudeBot, PerplexityBot). Sie werten dieselbe HTML-Struktur aus wie alle anderen. Siehe Strukturierte Daten
- Core Web Vitals
- Googles Messwerte für Ladeerlebnis und Stabilität: LCP (Ladezeit), CLS (Layout-Stabilität) und INP (Reaktionszeit). Siehe Core Web Vitals
- E-E-A-T
- Experience, Expertise, Authoritativeness, Trust – Qualitätssignale, mit denen Google die Vertrauenswürdigkeit von Inhalten und ihren Autoren einschätzt. Siehe Semantik & SEO
Wer liest hier eigentlich mit? Maschinenlesbarkeit betrifft längst nicht nur Screenreader. Auch Suchmaschinen-Crawler (Googlebot) und KI-Crawler (GPTBot, ClaudeBot, PerplexityBot) werten dieselbe HTML-Struktur aus. Sauberes Markup bedient alle drei gleichzeitig – und steuern lässt sich der Zugriff über die
robots.txt.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen WCAG, BITV und BFSG?
Die WCAG sind der technische Standard des W3C und enthalten die Erfolgskriterien selbst. Die BITV 2.0 ist die deutsche Verordnung, die diesen Standard für öffentliche Stellen des Bundes verbindlich macht. Das BFSG ist das Gesetz, das seit dem 28. Juni 2025 bestimmte Produkte und Dienstleistungen privater Anbieter erfasst. Ausführlich: BFSG einfach erklärt und BITV 2.0 erklärt.
Wofür steht die Abkürzung a11y?
Für „accessibility“: Zwischen dem ersten a und dem letzten y stehen elf Buchstaben. Dasselbe Muster steckt hinter i18n (internationalization) und l10n (localization). Die Schreibweise ist in Entwicklerkreisen üblich, in offiziellen Dokumenten und gegenüber Auftraggebern schreibt man das Wort besser aus.
Heißt es ARIA oder WAI-ARIA?
Beides bezeichnet dasselbe: WAI-ARIA ist der vollständige Name der Spezifikation (Web Accessibility Initiative – Accessible Rich Internet Applications), ARIA die gebräuchliche Kurzform. Im Code taucht sie als Attributpräfix auf (aria-label, aria-expanded). Wann man sie überhaupt braucht, klärt die erste Regel von ARIA.
Kann ich auf einen einzelnen Glossareintrag verlinken?
Ja. Jeder Begriff hat eine eigene id, die sich als Anker anhängen lässt – etwa /ressourcen/glossar.html#aria oder #accessibility-tree. Die id steht jeweils am <dt>-Element, sodass der Sprung direkt auf dem Begriff landet und nicht irgendwo im Abschnitt.
Fazit
Begriffe sind Werkzeug, kein Selbstzweck. Wenn dieses Glossar dabei hilft, einen Artikel ohne Stocken zu lesen, hat es seinen Job getan. Von hier aus passen besonders die Cheat-Sheets & Checklisten zum schnellen Abhaken, die Snippet-Bibliothek für den passenden Code und die Tools zum Nachmessen.