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Tools für Barrierefreiheit & SEO
Werkzeuge nehmen einem die stumpfe Arbeit ab: fehlende Alt-Attribute, zu schwache Kontraste, kaputte Strukturen finden sie in Sekunden. Was sie nicht können, ist beurteilen, ob ein Alt-Text sinnvoll ist oder eine Bedienung Sinn ergibt. Diese Liste enthält die Werkzeuge, die ich tatsächlich benutze – nicht jedes, das es gibt.
Das Wichtigste in Kürze
- Automatische Prüfer decken je nach Erhebung nur rund ein Drittel der WCAG-Erfolgskriterien ab. Ein grüner Wert ist ein gutes Zeichen, kein Konformitätsnachweis.
- Für den Einstieg reichen drei Werkzeuge: axe DevTools (Befunde mit wenig Fehlalarmen), der WebAIM Contrast Checker (Kontraste nachmessen) und NVDA (kostenloser Screenreader für Windows).
- Kein Tool prüft Tastaturbedienung sinnvoll. Der Durchlauf mit
Tab,Umschalt+Tab,EnterundLeertastebleibt Handarbeit – und findet in fünf Minuten mehr als jeder Scanner. - Werkzeuge unterscheiden sich stark darin, was sie finden.
axemeldet wenig Falsches, WAVE zeigt Befunde visuell auf der Seite, Lighthouse liefert einen Verlaufswert – dieselbe Seite bekommt in allen dreien unterschiedliche Ergebnisse. - Von Overlay-Tools, die Barrierefreiheit per Skript nachrüsten wollen, halte ich nichts: Sie kaschieren Symptome und beheben die Ursachen im Markup nicht.
- Stand August 2026 sind alle hier verlinkten Werkzeuge kostenlos nutzbar; einzige Ausnahmen sind JAWS und die kostenpflichtigen Ausbaustufen von axe DevTools und Seobility.
- Wie die Werkzeuge im Prüfablauf zusammenspielen, steht unter Barrierefreiheit selbst testen.
Werkzeuge direkt auf dieser Website
- Struktur-Check (Online-Tool) – URL eingeben, und die HTML-Auszeichnung wird gegen zwölf eindeutig entscheidbare WCAG-Punkte geprüft: mit Fundstelle im Code, Erklärung und dem Weg zur Behebung. Bewusst ohne Score.
- Kontrast-Check (Online-Tool) – URL eingeben, und das Tool bewertet alle Text-Hintergrund-Farbpaare der Seite nach WCAG 1.4.3 – mit konkreten Farbvorschlägen, Zwei-Farben-Checker und Paletten-Vergleich.
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Alt-Text-Entscheidungshilfe – klärt in höchstens drei Fragen, ob ein Bild ein leeres
altbraucht oder eine Beschreibung, und liefert Code-Beispiel, Satzgerüst und ein Prüffeld für den eigenen Entwurf. - Komponenten-Baukasten – acht schwere Muster im Variantenvergleich: nativ oder ARIA, mit Vorschau, Code und Testprotokoll für Tastaturweg und Screenreader-Ausgabe.
- BFSG-Prüfung (Online-Check) – der interaktive Selbsttest: 16 Fragen zu Pflicht, Technik und Prozessen, am Ende eine Bewertung mit Risiko-Einschätzung und priorisierten Handlungsfeldern.
- BFSG-Schnelltest: Betrifft mich das Gesetz? – die reine Entscheidungshilfe zur Anwendbarkeit in vier Fragen, funktioniert komplett ohne JavaScript und ohne E-Mail-Adresse.
- Muster-Barrierefreiheitserklärung – ausfüllfertige Vorlagen für Unternehmen und öffentliche Stellen.
- Checklisten & Cheat-Sheets – vom Formular-Check bis zum Launch-Audit, zum Abhaken.
- WCAG-Kriterien-Referenz – alle 55 A/AA-Kriterien mit Code-Beispiel und Testanleitung.
Automatische Barrierefreiheits-Prüfer
- axe DevTools – Browser-Erweiterung mit sehr verlässlichen Befunden und wenig Fehlalarmen. Das nutze ich am häufigsten.
- WAVE – zeigt Probleme direkt visuell auf der Seite an, gut zum Erklären.
- Lighthouse – in Chrome eingebaut, praktisch für den schnellen Wert und die Verlaufskontrolle.
- IBM Equal Access und Pa11y – wenn ich Prüfungen automatisieren oder in eine Pipeline hängen will.
Wie ich sie einsetze: Barrierefreiheit selbst testen.
Kontrast & Farbe
- Kontrast-Check auf dieser Website – prüft eine ganze Seite auf einmal statt Farbpaar für Farbpaar; die Einzelmessung und der Paletten-Vergleich sind dort gleich mit dabei.
- WebAIM Contrast Checker – schnell, eindeutig, mein Standard fürs Nachmessen.
- TPGi Colour Contrast Analyser (CCA) – Desktop-Pipette für Farben außerhalb des Browsers.
- Farbenblindheits-Simulationen – etwa die Render-Emulation in den Chrome DevTools, um zu prüfen, ob eine Information allein über Farbe transportiert wird.
Welche Werte gelten und wie man sie erreicht: Farbkontraste.
Tastatur & Fokus
Hier ist das beste Werkzeug die eigene Hand: Maus weglegen und mit Tab, Shift+Tab, Enter und Leertaste durch die Seite gehen. Kein Tool ersetzt diesen Durchlauf – Details unter Tastatur & Fokus.
Screenreader
- NVDA (Windows, kostenlos) – mein Tipp für den Einstieg.
- VoiceOver (macOS / iOS) – ab Werk dabei.
- JAWS (Windows) – im professionellen Umfeld weit verbreitet.
- TalkBack (Android) und Orca (Linux) – für Tests auf der jeweiligen Plattform.
Erste Schritte und Bedienung: Screenreader-Grundlagen – und als komplette Prüfdurchläufe Mit NVDA testen bzw. Mit VoiceOver testen. Welcher Screenreader wo verbreitet ist, zeigt der Screenreader-Überblick.
Vergrößerung, Bewegung & Spezialfälle
- Bildschirmlupe des Systems (Windows-Lupe, macOS-Zoom) – kostet nichts und vermittelt sofort das Ausschnitts-Gefühl starker Vergrößerung; der 400-%-Browser-Zoom prüft Reflow.
- Text-Spacing-Bookmarklet – setzt die Prüfwerte aus WCAG 1.4.12 auf die ganze Seite.
- PEAT (Photosensitive Epilepsy Analysis Tool) – prüft Videos auf gefährliche Blitzmuster nach WCAG 2.3.1.
- Voice Control / Voice Access (in macOS/iOS bzw. Android eingebaut) – fünf Minuten Sprachsteuerungs-Probe zeigen, ob sichtbare Beschriftung und zugänglicher Name zusammenpassen.
Struktur & Validierung
- W3C Nu Html Checker – findet ungültiges Markup, das Browser still schlucken, Hilfsmittel aber stolpern lässt.
- HeadingsMap – zeigt die Überschriften-Struktur und Outline einer Seite auf einen Blick.
- Landmark-Navigation (in axe oder über Browser-Erweiterungen) – prüft die Landmarks.
Performance & Core Web Vitals
- Lighthouse und PageSpeed Insights – Laborwerte plus echte Felddaten.
- WebPageTest – wenn ich genauer hinschauen will, wo die Zeit verloren geht.
- Chrome DevTools (Tab „Performance“) – fürs Detail-Profiling.
Was die Werte bedeuten: Core Web Vitals.
SEO & strukturierte Daten
- Google Rich Results Test und Schema.org Validator – prüfen, ob strukturierte Daten korrekt erkannt werden.
- Google Search Console – zeigt, wie Google die Seite tatsächlich sieht und indexiert.
- Seobility – Onpage-Crawler für die ganze Website: findet tote Links, doppelte Titel, fehlende Meta-Descriptions und dünne Seiten in einem Durchlauf. Stand August 2026 umfasst die dauerhaft kostenlose Stufe ein Projekt mit bis zu 1.000 Seiten je Crawl – für die meisten Websites reicht das. Was das Werkzeug leistet und wo es aufhört – etwa bei der Messung der KI-Sichtbarkeit –, ist auf dem Partnerprojekt seo-copilot.de unter Seobility im Test durchgespielt.
Für Barrierefreiheit taugt ein solcher SEO-Crawler übrigens nicht als Ersatz: Er meldet fehlende alt-Attribute und leere Überschriften mit, prüft aber keine der Fragen aus dem Werkzeugvergleich – Fokusreihenfolge, ARIA, Tastaturbedienung. Die beiden Werkzeugkisten überschneiden sich weniger, als der gemeinsame Begriff „Website-Audit“ vermuten lässt.
Meine Grundausstattung
Wenn ich mich auf drei Dinge beschränken müsste, wären es axe DevTools, der WebAIM Contrast Checker und NVDA. Damit deckt man die häufigsten Probleme ab, ohne sich in Werkzeugen zu verlieren.
Von Overlay-Tools halte ich wenig. Skripte, die Barrierefreiheit per Klick „nachrüsten“, kaschieren Symptome, beheben die Ursachen im Markup nicht und ersetzen weder echtes Testen noch echte Umsetzung. Mehr dazu in den häufigen Fragen unter selbst testen.
Häufige Fragen
Welches Tool soll ich nehmen, wenn ich nur eines installiere?
axe DevTools. Die Erweiterung meldet im Vergleich am wenigsten Falsches, benennt jeden Befund mit dem zugehörigen Erfolgskriterium und liefert einen Reparaturvorschlag. Wer lieber im Browser sieht, wo ein Problem sitzt, nimmt stattdessen WAVE – die Trefferliste ist ähnlich, die Darstellung anschaulicher.
Warum finden zwei Prüfwerkzeuge unterschiedlich viele Fehler?
Weil sie unterschiedliche Regelsätze und unterschiedliche Schwellen für Vermutungen haben. Manche melden nur eindeutige Verstöße, andere zusätzlich alles, was ein Mensch prüfen sollte. Zwei verschiedene Zahlen sind deshalb kein Widerspruch. Vergleichbar wird es erst, wenn du dieselbe Seite über die Zeit mit demselben Werkzeug misst.
Reicht ein Lighthouse-Wert von 100 für die BFSG-Konformität?
Nein. Lighthouse prüft eine kleine Auswahl maschinell prüfbarer Punkte und sagt das im Bericht selbst dazu. Für den rechtlichen Maßstab zählt die vollständige Erfüllung der A/AA-Kriterien nach EN 301 549 – der Weg dorthin steht in der BFSG-Checkliste, die Bewertung durch Dritte im BITV-Test.
Brauche ich ein kostenpflichtiges Werkzeug?
Für die Entwicklung nicht. axe DevTools, WAVE, Lighthouse, NVDA und der Nu Html Checker kosten nichts und decken zusammen ab, was Werkzeuge überhaupt abdecken können. Kostenpflichtige Angebote lohnen sich erst bei Automatisierung über viele Seiten hinweg oder wenn eine Prüfstelle formal beauftragt wird.
Kann ich Barrierefreiheit in die CI-Pipeline hängen?
Ja, und das ist sinnvoll gegen Rückschritte. Pa11y und IBM Equal Access lassen sich als Kommandozeilenwerkzeug einbinden und lassen den Build bei neuen Verstößen fehlschlagen. Erwarte davon aber keine Konformität, sondern eine Regressionsbremse: Sie hält den Stand, den du manuell erreicht hast.
Fazit
Eine kleine, gut verstandene Werkzeugkiste schlägt eine große, in der man sich verliert. Tools finden etwa ein Drittel der Probleme zuverlässig – die anderen zwei Drittel findest du mit den Checklisten, ein paar Handgriffen und gesundem Menschenverstand. Den passenden Code zum Umsetzen gibt es in der Snippet-Bibliothek.