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Cheat-Sheets & Checklisten

Die ausführlichen Artikel dieser Website erklären das Warum. Diese Seite ist für die Momente, in denen man das Warum schon kennt und nur noch schnell nachsehen will: Welches Element wofür? Welcher Kontrast reicht? Was muss vor dem Launch noch geprüft werden?

Das Wichtigste in Kürze

  • Neun Spickzettel auf einer Seite: Semantik, Überschriften, Formulare, Kontrast, Tastatur, POUR, Rechtsstrang, Launch-Audit und SEO – jeder mit Rückverweis auf den Artikel mit der Begründung.
  • Die AA-Kontrastwerte in einem Satz: 4,5 : 1 für normalen Text, 3 : 1 für großen Text ab 24 px – oder ab 18,7 px, wenn er fett gesetzt ist – sowie für Bedienelemente und aussagekräftige Grafiken.
  • Der Tastatur-Check hat vier Punkte: alles erreichbar, Fokus sichtbar, Reihenfolge logisch, keine Falle. Er findet in fünf Minuten mehr als jedes automatische Werkzeug.
  • Der Rechts-Check unterscheidet die beiden Stränge: Unternehmen fallen unter das BFSG, öffentliche Stellen unter BITV bzw. Landesrecht. Der technische Maßstab – WCAG AA über die EN 301 549 – ist in beiden derselbe.
  • Das Kurz-Audit vor dem Launch hat sechs Schritte und beginnt bewusst mit dem Werkzeug, aber endet bei der inhaltlichen Prüfung: Tools finden rund ein Drittel.
  • Checklisten ersetzen kein Verständnis. Sie verhindern Flüchtigkeitsfehler – und genau dafür sind sie hier.
  • Die Seite ist zum Ausdrucken gebaut; ein paar dieser Listen hängen bei mir tatsächlich neben dem Monitor.

Semantik-Spickzettel: welches Element wofür?

Brauche ich … … nehme ich
den Kopfbereich / die Hauptnavigation <header>, <nav>
den zentralen, einzigartigen Inhalt <main> (genau einmal)
einen für sich stehenden Beitrag <article>
einen thematischen Abschnitt mit Überschrift <section>
ergänzenden Randinhalt <aside>
den Fußbereich <footer>
eine Aktion (etwas passiert) <button>
einen Verweis (es geht woanders hin) <a href>
eine Aufzählung / Reihenfolge <ul> / <ol>
Begriff-Erklärung-Paare <dl>
Bild mit Bildunterschrift <figure> + <figcaption>
reinen Layout-Container ohne Bedeutung <div> / <span>

Im Detail: Struktur-Elemente, article vs. section und div vs. span.

Überschriften-Check

  • Genau eine <h1> pro Seite, die das Thema benennt.
  • Keine Ebene überspringen (nach <h2> kommt <h3>, nicht <h4>).
  • Die Hierarchie folgt der Bedeutung, nicht der Schriftgröße.
  • Größe und Optik macht CSS – nicht die Wahl der Überschriftenebene.

Mehr: Überschriften-Hierarchie.

Formular-Check

  • Jedes Feld hat ein verknüpftes <label for> – kein Platzhalter als Ersatz.
  • Zusammengehörige Felder stehen in <fieldset> mit <legend>.
  • Pflichtfelder sind im Text gekennzeichnet, nicht nur per Farbe.
  • Fehler stehen am Feld, sind per aria-describedby verknüpft und im Klartext.
  • Passendes autocomplete und type (email, tel, …) sind gesetzt.

Details: Labels, Fehlermeldungen, Validierung und fieldset & legend.

Kontrast-Richtwerte

Inhalt Mindestkontrast
Normaler Text (< 24 px, bzw. < 18,66 px fett) 4,5 : 1
Großer Text (≥ 24 px, bzw. ≥ 18,66 px fett) 3 : 1
Bedienelemente & aussagekräftige Grafiken 3 : 1

Das sind die AA-Werte. Wie man sie misst und einstellt: Farbkontraste.

Tastatur-Check

  • Alles, was per Maus geht, geht auch per Tab / Shift+Tab / Enter / Leertaste.
  • Der Fokus ist immer sichtbar (kein outline: none ohne Ersatz).
  • Die Reihenfolge ist logisch und folgt der Leserichtung.
  • Es gibt keine Tastaturfalle, aus der man nicht mehr herauskommt.

Mehr: Tastatur & Fokus.

WCAG in vier Worten: POUR

  • Wahrnehmbar – Inhalte sind seh-, hör- oder ertastbar (Alt-Texte, Kontrast).
  • Bedienbar – alles geht per Tastatur, nichts erzwingt die Maus.
  • Verständlich – Sprache, Aufbau und Verhalten sind vorhersehbar.
  • Robust – sauberes Markup, das Browser und Hilfsmittel zuverlässig deuten.

Mehr: Die vier Prinzipien (POUR), Konformitätsstufen A / AA / AAA – und zum Nachschlagen jedes einzelnen Kriteriums die WCAG-Referenz (alle A & AA).

Rechts-Check: BFSG oder BITV?

  • Zuständigkeit geklärt: Unternehmen → BFSG; öffentliche Stelle → BITV/Landesrecht. Im Zweifel: BFSG-Schnelltest durchklicken.
  • Technischer Maßstab: WCAG AA über EN 301 549 – gilt in beiden Strängen.
  • Dokumentation: Barrierefreiheits-Informationen bzw. Erklärung veröffentlicht (Muster-Vorlagen), Feedback-Weg benannt.
  • Fristen & Ausnahmen geprüft: privat bzw. öffentlich.
  • Jahres-Termin gesetzt: Retest + „zuletzt geprüft“-Datum der Erklärung aktualisieren.

Kurz-Audit vor dem Launch

  1. axe / Lighthouse laufen lassen, offensichtliche Fehler beheben.
  2. Tastatur-Durchlauf der wichtigsten Seiten und Abläufe.
  3. Zoom auf 200 % / Reflow prüfen.
  4. Kontraste der kritischen Stellen messen.
  5. Screenreader-Stichprobe – Schritt für Schritt mit NVDA oder VoiceOver.
  6. Inhaltliche Prüfung für alles, was Tools nicht sehen.

Diese Runde lasse ich vor keinem Launch aus – Schritt für Schritt unter Barrierefreiheit selbst testen. Die ausführliche gesetzliche Variante ist die BFSG-Checkliste.

SEO-Quick-Wins

  • Aussagekräftiger <title> und <meta name="description"> je Seite.
  • Eine <h1> und eine saubere Überschriften-Struktur (= halbe SEO-Miete).
  • Sprechende, stabile URLs.
  • Strukturierte Daten dort, wo sie passen.
  • Sinnvolle Alt-Texte.
  • Tempo im Blick behalten (Core Web Vitals).

Warum dieselbe Struktur Suche und KI hilft: Semantik & SEO.

Häufige Fragen

Reicht es, alle Punkte dieser Checklisten abzuhaken?

Nein, und das ist keine falsche Bescheidenheit. Diese Listen decken die häufigsten Fehlerquellen ab, nicht alle 55 A/AA-Kriterien. Für den vollständigen Abgleich gibt es die WCAG-Kriterien-Referenz; für den gesetzlichen Rahmen die BFSG-Checkliste. Eine abgehakte Liste bedeutet: Die geprüften Punkte stimmen.

Kann ich die Checklisten in meinem Projekt weiterverwenden?

Ja. Nimm sie ins Teamwiki, ins Ticketsystem oder in die Definition of Done – dafür sind sie geschrieben. Ich freue mich über einen Rückverweis, verlange ihn aber nicht. Was du nicht tun solltest: sie als Konformitätsnachweis gegenüber Dritten ausgeben.

In welcher Reihenfolge arbeite ich die Listen ab?

Bei bestehenden Seiten von hinten: erst das Kurz-Audit vor dem Launch, weil es die größten Brocken findet. Bei neuen Seiten von vorn – Semantik zuerst, weil jede spätere Korrektur an Formularen, Tastatur und Screenreader-Ausgabe auf dem Markup aufsetzt.

Warum stehen SEO-Punkte auf einer Barrierefreiheits-Seite?

Weil sie sich überschneiden: Eine <h1> je Seite, eine saubere Überschriften-Struktur und sinnvolle Alt-Texte sind für beide Zwecke dieselbe Arbeit. Der Zusammenhang steht unter Semantik & SEO – doppelt zu arbeiten wäre die eigentliche Verschwendung.

Fazit

Checklisten ersetzen kein Verständnis, aber sie verhindern Flüchtigkeitsfehler – und genau dafür sind sie da. Tipp: Die Seite lässt sich sauber ausdrucken, wenn man eine Papierversion neben den Bildschirm legen möchte. Den passenden Code zu vielen Punkten gibt es in der Snippet-Bibliothek, unbekannte Begriffe klärt das Glossar, und die Werkzeuge dazu stehen unter Tools.

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