SEO & KI · Onpage-SEO

Interne Verlinkung als Strategie

Interne Verlinkung ist die gezielte Verknüpfung der eigenen Seiten untereinander – das einzige Linksignal, über das du vollständig selbst bestimmst. Richtig eingesetzt verteilt sie Linkkraft, hält wichtige Seiten nah an der Startseite und macht Suchmaschinen wie Lesern sichtbar, welche Inhalte zusammengehören.

Während externe Links von anderen kommen müssen, entscheidest du über die interne Verlinkung allein – ohne Budget, ohne Verhandlung, ohne Wartezeit. Und weil sie nichts kostet außer Aufmerksamkeit beim Schreiben, ist sie der Teil der Suchmaschinenoptimierung mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung.

Eine Wissensseite über gutes Web sollte gerade hier vorbildlich sein. Deshalb ist diese Website von Grund auf um interne Verlinkung herum gebaut – die Beispiele stammen aus ihr.

Das Wichtigste in Kürze

  • Was nirgends verlinkt ist, wird kaum gefunden. Eine Seite ohne einen einzigen internen Link ist für Suchmaschinen praktisch unsichtbar, selbst wenn sie in der Sitemap steht.
  • Der Ankertext ist der Inhalt des Links. Er sagt Suchmaschinen, worum es auf der Zielseite geht – „hier“ sagt gar nichts.
  • Wichtige Seiten gehören nah an die Startseite, als Faustregel höchstens drei Klicks entfernt.
  • Links im Fließtext wiegen mehr als Links im Footer. Wiederkehrende Elemente auf jeder Seite tragen weniger Kontext.
  • Bidirektional verlinken: Hub verweist auf die Unterseiten, die Unterseiten zurück auf den Hub und aufeinander.
  • Nur echte <a href> zählen. Ein Klick-Handler auf einem <div> ist für Crawler kein Link – und für die Tastatur auch nicht.
Ein Diagramm der Linkstruktur in drei Spalten, beschriftet mit Klicktiefe null, eins und zwei. Links die Startseite, in der Mitte die blau hervorgehobene Hub-Seite SEO und KI, rechts vier Unterseiten: Interne Verlinkung, Strukturierte Daten, Suchintention und Bild-SEO. Blaue Pfeile führen von der Startseite zum Hub und vom Hub zu allen Unterseiten, graue Pfeile führen zurück und verbinden die Unterseiten untereinander. Ganz unten eine gestrichelt umrandete Box mit der Beschriftung verwaiste Seite, steht in der Sitemap, aber niemand verlinkt sie; der Pfad dorthin ist gestrichelt und mit kein Link, der Pfad fehlt beschriftet.
Jede Seite ist in zwei Klicks erreichbar und verlinkt zurück. Die gestrichelte Box zeigt den Normalfall gewachsener Websites: existiert, aber niemand verweist darauf.

Vier Wirkungen lassen sich sauber auseinanderhalten – und sie greifen unterschiedlich schnell:

Entdeckung. Such- und KI-Crawler folgen Links. Eine neue Seite wird über einen Link von einer bereits bekannten Seite gefunden, oft schneller als über die Sitemap. Die Sitemap ist ein Hinweis, der Link ist ein Weg.

Verteilung. Jede Seite gibt einen Teil ihres Gewichts an die Seiten weiter, auf die sie verlinkt. Die Startseite hat meist die meisten externen Verweise – über die interne Struktur entscheidest du, wo diese Kraft landet.

Kontext. Der Ankertext beschreibt die Zielseite. Über viele Links hinweg entsteht daraus ein Bild davon, worum es auf einer Seite geht. Das ist der Grund, warum beschreibende Ankertexte mehr wert sind als jede Meta-Angabe.

Orientierung. Ein guter interner Link beantwortet die nächste Frage, bevor sie gestellt wird. Das ist keine SEO-Nebenwirkung, sondern der eigentliche Zweck – und John Mueller von Google hat interne Verlinkung mehrfach als eines der wirksamsten Mittel bezeichnet, um Google und Besuchern zu zeigen, welche Seiten wichtig sind.

Das Topic-Cluster-Modell

Das wirksamste Muster ist der Themen-Cluster: eine starke Hub-Seite zu einem Oberthema, umgeben von vertiefenden Unterseiten, die alle bidirektional verlinkt sind – Hub ↔ Unterseite und Unterseiten untereinander.

                    ┌──────────────────────┐
      Startseite ⇄  │   Hub: SEO & KI      │
                    └───────┬──────────────┘
              ┌─────────────┼─────────────┐
              ⇅             ⇅             ⇅
      Suchintention   Strukturierte   Interne
                          Daten       Verlinkung
              └──────── quer verlinkt ──────┘

Warum das funktioniert: Der Hub bündelt das breite Suchinteresse („SEO & KI“), die Unterseiten bedienen die konkreten Fragen. Jede Unterseite stärkt über ihren Rückweg den Hub, und der Hub verteilt das gesammelte Gewicht wieder an alle. Für Suchmaschinen entsteht daraus ein erkennbar zusammenhängendes Themengebiet – ein wichtiger Baustein für E-E-A-T.

Genau so sind die sechs Themenbereiche dieser Website aufgebaut. Die Struktur kommt dabei aus einer einzigen Datei: Mega-Menü, Brotkrumen, Footer, Sitemap und die „Weiterlesen“-Blöcke lesen alle dieselbe Navigationsdatenquelle. Dadurch kann keine Seite aus der Struktur herausfallen, ohne dass es überall auffällt.

Die Bauform, in der diese Struktur sichtbar wird, ist meist ein Mega-Menü – und das ist die Stelle, an der SEO-Wunsch und Bedienbarkeit tatsächlich kollidieren: Wer sechzig Links in den Kopf jeder Seite legt, verteilt zwar Gewicht, zwingt aber Tastaturnutzende durch sechzig Tab-Stopps, bevor der Inhalt beginnt. Der Ausgleich dafür ist kein Verzicht auf Links, sondern ein Skip-Link und eine Gliederung in benannte Gruppen.

Ankertexte: der wichtigste Hebel

Der Linktext sollte beschreiben, was den Leser erwartet:

<!-- Schwach: nichtssagend, gibt der Zielseite keinen Kontext -->
<p>Mehr dazu <a href="/seo-und-ki/schema-typen.html">hier</a>.</p>

<!-- Gut: beschreibender Ankertext -->
<p>Welche Typen sich lohnen, zeigt
   <a href="/seo-und-ki/schema-typen.html">die Übersicht der wichtigsten
   Schema.org-Typen</a>.</p>

Vier Regeln haben sich bewährt:

  • Beschreibend statt generisch. Der Text soll auch außerhalb des Satzes noch verständlich sein.
  • Variiert statt identisch. Dieselbe Zielseite darf mal „strukturierte Daten“, mal „JSON-LD in der Praxis“ heißen. Immer derselbe exakte Suchbegriff wirkt konstruiert.
  • Im Fließtext statt am Absatzende. Ein Link mitten im Satz steht im Kontext – eine Linkliste unter dem Text steht daneben.
  • Kurz halten. Ein halber Absatz als Linktext hilft niemandem; drei bis sieben Wörter sind ein guter Rahmen.

Randnotiz – auch eine Frage der Barrierefreiheit. Screenreader-Nutzende lassen sich oft nur die Liste aller Links einer Seite vorlesen, um sich zu orientieren – eine der Strategien, die Wie Screenreader-Nutzer surfen beschreibt. Eine Reihe von „hier“ und „mehr“ ist dann wertlos. Beschreibende Ankertexte helfen also Suchmaschinen und Menschen – dasselbe Markup, doppelter Nutzen. Genau das ist das Muster aus Semantik, Barrierefreiheit & SEO, und es steckt als Erfolgskriterium 2.4.4 Linkzweck im Kontext auch in der WCAG.

Klicktiefe und verwaiste Seiten

Klicktiefe ist die Zahl der Klicks von der Startseite bis zu einer Seite. Als Faustregel gilt: Was wichtig ist, sollte in höchstens drei Klicks erreichbar sein. Nicht weil es eine Zahl in einem Algorithmus gäbe, sondern weil tiefe Seiten seltener gecrawlt werden und weniger Gewicht abbekommen – und weil Besucher sie schlicht nicht finden.

Verwaiste Seiten sind der Extremfall: Seiten ohne einen einzigen internen Link. Sie entstehen fast von allein – eine Kampagnenseite bleibt liegen, eine Kategorie wird umgebaut, ein alter Ratgeber fällt aus dem Menü. So findest du sie:

  1. Alle URLs sammeln, die es geben soll – aus der Sitemap oder direkt aus dem Dateisystem beziehungsweise dem CMS.
  2. Die Website crawlen und notieren, welche URLs dabei über Links erreicht werden.
  3. Die Differenz bilden. Was in der Sitemap steht, aber im Crawl nie auftaucht, ist verwaist.

Ich würd hier nicht mit dem Werkzeug anfangen, sondern mit der Frage: Soll die Seite überhaupt noch existieren? Ein Drittel der Fundstücke gehört meist gelöscht oder zusammengelegt – erst der Rest bekommt einen sinnvollen Link aus einem passenden Absatz.

Ein Link aus dem Fließtext und ein Link aus dem Footer sind formal dasselbe Element, praktisch aber nicht dasselbe Signal:

Ort Kontext Wirkung
Fließtext hoch – umgeben von passendem Text am stärksten
„Weiterlesen“-Block am Artikelende mittel – thematisch, aber gebündelt solide
Hauptnavigation gering – auf jeder Seite identisch für die Struktur wichtig, als Signal schwach
Footer gering bis keiner Orientierung, kaum Gewicht
Brotkrumen mittel – zeigt die Hierarchie gut für Struktur und strukturierte Daten

Daraus folgt kein „Footer weglassen“, sondern: Ein wichtiger Link gehört zusätzlich in den Text. Wer eine Seite stärken will, verlinkt sie aus drei passenden Artikeln heraus – nicht aus der Fußzeile.

So viel Strategie in den Abschnitten oben steckt – am Ende ist ein interner Link ein <a>-Element mit einem href. Die Entscheidungen, die dabei anfallen, sind überschaubar, aber sie wirken sich über tausende Links hinweg aus.

<!-- Wurzelrelativ: die Form, die ich für interne Links empfehle -->
<a href="/seo-und-ki/suchintention.html">Suchintention verstehen</a>

<!-- Dokumentrelativ: geht beim Verschieben der Datei kaputt -->
<a href="../seo-und-ki/suchintention.html">Suchintention verstehen</a>

<!-- Absolut: für interne Links unnötig, im Canonical und in Feeds dagegen richtig -->
<a href="https://html-einfach.de/seo-und-ki/suchintention.html">Suchintention</a>

<!-- Sprungmarke innerhalb einer Seite -->
<a href="#ankertexte-der-wichtigste-hebel">zu den Ankertexten</a>

<!-- Sprungmarke auf einer anderen Seite -->
<a href="/seo-und-ki/eeat.html#erfahrung">der Abschnitt zu Erfahrung</a>

Wurzelrelativ (/pfad/seite.html) ist für interne Links die robusteste Form. Sie funktioniert unabhängig davon, in welchem Verzeichnis das Dokument liegt, überlebt das Verschieben einzelner Dateien und macht den Wechsel der Domain (etwa von der Testumgebung zur Live-Website) zu einem Nicht-Ereignis. Dokumentrelative Pfade mit ../ sind der häufigste Grund für tote interne Links nach einem Umbau.

Vier Attribute, die man richtig einsetzen sollte

Attribut Wofür Bei internen Links
href Ziel Pflicht – ohne href ist <a> kein Link
target="_blank" neues Fenster sparsam, siehe unten
rel="noopener" schützt vor Zugriff des Ziels zwingend zusammen mit target="_blank"
download Datei speichern statt öffnen für PDFs und Downloads
aria-current="page" aktuelle Seite in der Navigation in Menüs, nicht im Fließtext

Zu target="_blank" eine deutliche Meinung: Bei internen Links gehört es fast nie hin. Es nimmt den Zurück-Button aus dem Spiel, öffnet unangekündigt ein neues Fenster und ist damit genau das, wovor WCAG 3.2.5 Änderung auf Anforderung auf Stufe AAA warnt. Wenn es doch sein muss – etwa bei einem PDF, das jemand neben dem Formular offen halten soll –, gehört die Ankündigung in den Linktext:

<a href="/downloads/checkliste.pdf" target="_blank" rel="noopener">
  BFSG-Checkliste (PDF, 240 KB, öffnet in neuem Fenster)
</a>

Der Ankertext ist gleichzeitig Ranking- und Barrierefreiheitssignal

Das ist der Punkt, an dem sich SEO und Barrierefreiheit vollständig decken. Screenreader können sich alle Links einer Seite als Liste ausgeben lassen – losgelöst vom umgebenden Text. Eine Liste aus zwölfmal „hier“ ist damit unbrauchbar, und genau das verlangt auch WCAG 2.4.4 Linkzweck (im Kontext): Der Zweck muss aus dem Linktext hervorgehen.

<!-- Falsch: sagt weder Suchmaschine noch Screenreader etwas -->
<p>Mehr zur Suchintention findest du <a href="/seo-und-ki/suchintention.html">hier</a>.</p>

<!-- Richtig: der Linktext benennt das Ziel -->
<p>Welches Format eine Seite braucht, hängt von der
   <a href="/seo-und-ki/suchintention.html">Suchintention</a> ab.</p>

Was dagegen nicht hilft, ist das title-Attribut am Link. Es erscheint nur als Tooltip bei Mausbenutzung, ist per Tastatur und auf dem Touchscreen unerreichbar und wird von Screenreadern je nach Einstellung gar nicht vorgelesen. Was wichtig ist, gehört in den sichtbaren Linktext.

Technische Details, an denen es scheitert

  • Nur <a href="…"> ist ein Link. Ein onclick auf einem <div> wird nicht verfolgt, taucht in keinem Crawl auf und ist per Tastatur nicht bedienbar. Warum das zusammenhängt, steht unter Buttons vs. Links.
  • Immer auf die finale URL verlinken. Jede Weiterleitung dazwischen kostet Crawl-Aufwand; Ketten aus zwei oder drei Sprüngen sind ein häufiger Altlastenfund.
  • Eine URL-Form konsequent nutzen. Mal mit, mal ohne Schrägstrich am Ende, mal mit www – das erzeugt vermeidbare Varianten. Wie du das sauber hältst, steht unter Canonical & Duplicate Content.
  • rel="nofollow" gehört nicht auf interne Links. Damit lässt sich seit Jahren keine Linkkraft mehr „steuern“; das Signal geht schlicht verloren.
  • Keine Link-Wüsten. Es gibt keine feste Obergrenze, aber jeder zusätzliche Link verkleinert den Anteil der anderen. Hundert Links auf einer Seite verteilen wenig auf viele.
  • Links müssen im HTML stehen. Was erst nach einer Nutzerinteraktion per JavaScript nachgeladen wird, sehen Crawler nicht – sie scrollen und klicken nicht.

Ein Arbeitsablauf in vier Schritten

  1. Bestandsaufnahme. Welche Seiten gibt es, welche sollen ranken? Sortiere nach geschäftlicher Bedeutung, nicht nach aktuellem Traffic.
  2. Aufräumen. Verwaiste Seiten finden, Weiterleitungsketten auflösen, Dünnes zusammenlegen.
  3. Cluster festlegen. Für jedes Oberthema eine Hub-Seite bestimmen und prüfen: Ist jede Unterseite vom Hub aus verlinkt – und zurück?
  4. Ankertexte nacharbeiten. Beim Schreiben neuer Texte konsequent aus dem Fließtext heraus verlinken. Das ist der Teil, der nie „fertig“ wird und genau deshalb wirkt.

Häufige Fehler

  • „Hier klicken“ und „mehr“ als Ankertext, ohne Kontext.
  • Verwaiste Seiten ohne einen einzigen internen Link.
  • Alles auf die Startseite verlinken, statt thematisch zu vernetzen.
  • Hunderte Links pro Seite – das verwässert die Kraft jedes einzelnen.
  • Immer derselbe exakte Ankertext für dieselbe Zielseite.
  • Nur von oben nach unten verlinken, ohne Rückweg vom Kind zum Hub.
  • Interne Links auf Weiterleitungen statt auf die Zielseite selbst.
  • Wichtige Seiten fünf Klicks tief in einer verschachtelten Kategoriestruktur.

Häufige Fragen

Es gibt keine feste Zahl. Setze so viele, wie inhaltlich helfen – im Fließtext, dort wo sie das Verständnis vertiefen. Bei einem längeren Fachartikel sind fünf bis fünfzehn kontextuelle Links üblich, ohne dass der Text gestückelt wirkt.

Ja, und gute. Breadcrumbs zeigen die Hierarchie, verlinken jede Ebene und liefern nebenbei die Grundlage für ein BreadcrumbList-Markup.

Weglassen. Der früher übliche Versuch, damit Linkkraft gezielt zu lenken, funktioniert nicht mehr – der Anteil verfällt einfach. Seiten, die nicht in den Index sollen, steuerst du über noindex, nicht über den Link.

Ja. Sie zeigen Zusammenhänge zwischen Inhalten und helfen KI-Systemen, dein Themengebiet als Ganzes zu erfassen, statt nur einzelne Seiten. Für GEO ist eine erkennbare Themenstruktur mindestens so wichtig wie für die klassische Suche.

Nein, solange sie inhaltlich begründet sind. Problematisch wird es erst, wenn quer durch die Website verlinkt wird, ohne dass ein Zusammenhang besteht – dann verwischt die Themenstruktur.

Zähle je Zielseite die eingehenden internen Links. Seiten mit null bis zwei eingehenden Links und relevantem Inhalt sind die erste Baustelle – noch vor allem anderen.

Ja. Statt des Ankertextes wertet die Suchmaschine dann den Alternativtext des Bildes aus. Umso wichtiger, dass er beschreibend ist – siehe Bild-SEO.

Fazit

Interne Verlinkung ist die Strategie, die du selbst steuerst: Cluster aus Hub und Unterseiten, beschreibende und variierte Ankertexte, geringe Klicktiefe, keine verwaisten Seiten. Sie verteilt Linkkraft, baut Themenautorität auf und führt Leser sinnvoll weiter – und mit guten Ankertexten ist sie zugleich ein Gewinn für die Barrierefreiheit. Das Fundament dafür ist und bleibt sauberes semantisches HTML: ein echtes <a href> mit einem Text, der beschreibt, wohin es geht.

Quellen

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