WCAG & BFSG · Medien, Dokumente & Sprache
Untertitel, Transkripte & Audiodeskription
Video und Audio sind erst dann für alle zugänglich, wenn ihr Inhalt auch ohne Ton oder ohne Bild erfassbar ist. Die WCAG widmen dem ein eigenes Kapitel (Richtlinie 1.2). Hier sind die drei Werkzeuge – Untertitel, Transkript, Audiodeskription – und wann welches zählt.
Untertitel (Captions)
Untertitel geben Sprache und relevante Geräusche als Text wieder – für gehörlose und schwerhörige Menschen, aber auch in lauter oder stiller Umgebung.
- 1.2.2 Untertitel (aufgezeichnet), A: Pflicht für jedes vertonte Video.
- 1.2.4 Untertitel (live), AA: auch Livestreams brauchen Untertitel.
Wichtig: echte Untertitel als Textspur, keine fest ins Bild gebrannten Pixel – sie sind abschaltbar, durchsuchbar und skalierbar. Im HTML liefert das die <track>-Spur des Video-Elements:
<video controls>
<source src="/video/einfuehrung.mp4" type="video/mp4" />
<track kind="captions" src="/video/einfuehrung.de.vtt" srclang="de" label="Deutsch" default />
</video>
Transkripte
Ein Transkript ist die vollständige Textfassung des Gesprochenen (bei Video ergänzt um wichtige visuelle Informationen).
- 1.2.1 (aufgezeichnet), A: Reines Audio (Podcast) braucht ein Transkript, reines Video eine Text- oder Audioalternative.
Transkripte haben einen schönen Nebeneffekt: Sie sind durchsuchbar, von Suchmaschinen und KI-Systemen lesbar – Barrierefreiheit und Auffindbarkeit in einem.
Audiodeskription
Die Audiodeskription beschreibt in Sprechpausen, was zu sehen ist – für blinde Menschen.
- 1.2.3 (aufgezeichnet), A: Audiodeskription oder eine Volltext-Alternative.
- 1.2.5 (aufgezeichnet), AA: Audiodeskription verpflichtend.
Wenn ein Video rein visuelle Informationen transportiert (eine stumme Demonstration), muss diese also zusätzlich hörbar oder als Text verfügbar sein.
Randnotiz – prefers-reduced-motion. Bewegung ist die andere Seite der Medien-Barrierefreiheit. Automatisch startende Videos, Parallax oder große Animationen können Menschen mit vestibulären Störungen Schwindel bereiten. Respektiere die Systemeinstellung
prefers-reduced-motionund biete für alles Bewegte eine Pause-/Stopp-Möglichkeit – mehr dazu beim barrierefreien Media-Player.
Häufige Fehler
- Automatische Untertitel ungeprüft veröffentlichen – „Voll-KI“ verschluckt Namen und Fachbegriffe.
- Untertitel ins Bild brennen statt als abschaltbare
<track>-Spur. - Transkript vergessen bei reinen Podcasts.
- Audiodeskription ignorieren, obwohl das Video rein visuelle Infos zeigt.
-
Kein
lang/srclang, sodass Hilfsmittel die Sprache nicht kennen.
Häufige Fragen
Reichen automatisch erzeugte Untertitel?
Als Rohfassung ja, als Endprodukt nein. Sie müssen korrigiert werden – falsche Untertitel sind teils schlimmer als keine.
Brauche ich Untertitel und Transkript?
Für Video sind Untertitel Pflicht; ein Transkript ist zusätzlich sinnvoll und für reines Audio der Kern. Beides ergänzt sich.
Was ist mit eingebetteten Videos (YouTube etc.)?
Die Pflicht bleibt bei dir. Lade korrekte Untertitelspuren hoch und stelle ein Transkript bereit – die Plattform nimmt dir das nicht ab.
Fazit
Für Medien verlangt die WCAG Alternativen: Untertitel für Ton (1.2.2/1.2.4), Transkripte für reines Audio (1.2.1) und Audiodeskription für rein Visuelles (1.2.3/1.2.5). Echte Textspuren statt eingebrannter Pixel, geprüft statt roh-automatisch. Technisch liefert das die <track>-Spur, bedienbar gemacht vom Media-Player.