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Alt-Text-Entscheidungshilfe

Das Schwierige am Alternativtext ist nicht das Formulieren, sondern die Vorfrage: Braucht dieses Bild überhaupt eine Beschreibung – und wenn ja, worüber? Diese Entscheidungshilfe klärt das in höchstens drei Fragen und liefert danach das Verdikt, ein fertiges Code-Beispiel, ein Satzgerüst und je ein Richtig- und Falsch-Beispiel für genau deinen Fall.

Kostenloses Werkzeug · ohne Anmeldung · höchstens 3 Fragen

Alt-Text-Entscheidungshilfe

Beantworte bis zu drei Fragen zum Bild – danach hast du das Verdikt, ein fertiges Code-Beispiel zum Kopieren, ein Satzgerüst für die Formulierung sowie ein Richtig- und ein Falsch-Beispiel für genau deinen Fall.

Alle 11 Fälle im Überblick

Ohne JavaScript ist das hier die vollständige Antwort: jeder Fall mit Verdikt, Code-Beispiel und den beiden weiterführenden Links. Mit JavaScript führen die Fragen oben direkt zum passenden Fall.

Reine Dekoration

Dekoratives Bild

Dieses Bild braucht ein leeres alt-Attribut – geschrieben, aber ohne Inhalt.

alt="" nimmt das Bild aus dem Accessibility Tree: Screenreader überspringen es kommentarlos. Fehlt das Attribut dagegen ganz, lesen viele Screenreader die Bildadresse vor – aus hero-bg-final-v3.jpg wird eine Buchstabenkette, die niemand hören will. Noch sauberer ist es, reine Dekoration gar nicht erst als img einzubinden, sondern als CSS-Hintergrund.

Fertiges Beispiel
<img src="/img/trennlinie.svg" alt="" width="800" height="4">
Satzgerüst

alt="" Kein Leerzeichen dazwischen, kein Bindestrich, kein Wort.

  • So ist es richtig <img src="ornament.svg" alt="">

    Das Bild verschwindet aus der Ausgabe – genau richtig, weil es nichts beiträgt.

  • So besser nicht <img src="ornament.svg" alt="Ornament">

    Beschreibt die Deko und unterbricht damit den Lesefluss ohne Gewinn.

Es transportiert Information Text sagt nicht dasselbe keine Bildunterschrift

Informatives Bild ohne Bildunterschrift

Beschreibe, was am Bild für die Aussage der Seite zählt – nicht alles, was darauf zu sehen ist.

Der Alt-Text ist kein Bildinventar, sondern ein Ersatz. Die Frage lautet: Wenn ich das Bild jemandem am Telefon erklären müsste, damit die Person dem Text folgen kann – was sage ich dann? Meist reicht ein Satz. Was auf der Seite ohnehin schon steht, gehört nicht hinein.

Fertiges Beispiel
<img src="fokus-ring.png"
     alt="Eingabefeld mit deutlich sichtbarem, drei Pixel breitem Fokusrahmen">
Satzgerüst

Motiv mit dem Detail, auf das es ankommt

  • So ist es richtig alt="Eingabefeld mit drei Pixel breitem Fokusrahmen"

    Nennt genau das Detail, um das es im Absatz geht.

  • So besser nicht alt="Screenshot eines Formulars auf weißem Hintergrund"

    Beschreibt das Motiv statt der Aussage – der Fokusrahmen kommt gar nicht vor.

Es transportiert Information Text sagt bereits dasselbe

Information steht schon im Text

Die Information steht bereits im Text – mit alt="" wird sie nicht ein zweites Mal vorgelesen.

Screenreader lesen linear. Steht direkt über dem Bild derselbe Satz, hören Nutzerinnen und Nutzer ihn zweimal hintereinander – einmal als Fließtext, einmal als Alt-Text. Das ist keine zusätzliche Barrierefreiheit, sondern Lärm. Ein Bild ohne eigenen Informationswert bekommt deshalb alt="", auch wenn es inhaltlich passt.

Fertiges Beispiel
<p>Der Notausgang liegt links neben der Rezeption.</p>
<img src="lageplan-ausschnitt.png" alt="">
Satzgerüst

alt="" Der benachbarte Absatz übernimmt die Beschreibung.

  • So ist es richtig <p>Der Notausgang liegt links neben der Rezeption.</p> <img src="lageplan.png" alt="">

    Die Aussage steht einmal da – im Text, wo sie alle lesen.

  • So besser nicht <p>Der Notausgang liegt links neben der Rezeption.</p> <img src="lageplan.png" alt="Der Notausgang liegt links neben der Rezeption">

    Doppelte Ansage: derselbe Satz zweimal hintereinander.

Es transportiert Information Text sagt nicht dasselbe mit Bildunterschrift

Bild mit Bildunterschrift

Bildunterschrift und alt haben verschiedene Aufgaben – sie dürfen nicht denselben Satz enthalten.

Die figcaption ordnet ein und wird von allen gelesen: Quelle, Datum, Kontext. Das alt ersetzt das Bild für die, die es nicht sehen: was darauf passiert. Sind beide identisch, hören Screenreader denselben Text zweimal – dann ist alt="" die richtige Wahl, weil die Bildunterschrift die Beschreibung bereits übernimmt.

Fertiges Beispiel
<figure>
  <img src="absprungrate.png"
       alt="Balken fallen von 100 auf 38 Prozent, der größte Absprung liegt nach dem Login">
  <figcaption>Absprünge im Bestellprozess, Januar bis Juni 2026</figcaption>
</figure>
Satzgerüst

was auf dem Bild passiert Die Einordnung übernimmt die figcaption.

  • So ist es richtig alt="Balken fallen von 100 auf 38 Prozent" figcaption: Absprünge im Bestellprozess, Jan–Jun 2026

    Zwei verschiedene Informationen: Verlauf im alt, Einordnung in der Bildunterschrift.

  • So besser nicht alt="Absprünge im Bestellprozess, Jan–Jun 2026" figcaption: Absprünge im Bestellprozess, Jan–Jun 2026

    Wortgleich – Screenreader lesen die Zeile zweimal vor.

Bedienelement kein Text im Link führt woandershin

Bild als Link

Der Alt-Text beschreibt das Ziel des Links, nicht das Bild.

Bei einem Bild-Link wird das alt zum Linktext. Es beantwortet deshalb die Frage „Wo komme ich an?“ – nicht „Was sehe ich?“. Eine Lupe, die zur Suche führt, heißt nicht „Lupe“, sondern „Suche öffnen“. Das ist zugleich der Grund, warum ein Bild-Link nie alt="" bekommen darf: Der Link hätte dann überhaupt keinen Namen.

Fertiges Beispiel
<a href="/warenkorb.html">
  <img src="/img/warenkorb.svg" alt="Warenkorb öffnen">
</a>
Satzgerüst

HandlungZiel Beispiel: „Warenkorb öffnen“, „Zur Startseite“, „Preisliste als PDF laden“.

  • So ist es richtig <a href="/warenkorb.html"> <img src="warenkorb.svg" alt="Warenkorb öffnen"> </a>

    Der Link heißt nach seinem Ziel – so steht er auch in der Linkliste des Screenreaders.

  • So besser nicht <a href="/warenkorb.html"> <img src="warenkorb.svg" alt="Einkaufswagen-Symbol"> </a>

    Beschreibt die Grafik. In der Linkliste steht dann „Einkaufswagen-Symbol“ statt eines Ziels.

Bedienelement kein Text im Link löst eine Aktion aus

Icon-Button ohne Beschriftung

Der Button braucht einen Namen, der die Handlung nennt – über das alt des Bildes oder ein aria-label am Button.

Ein Button ohne zugänglichen Namen wird als „Schaltfläche“ angesagt, mehr nicht. Bei einem img im Button liefert das alt den Namen. Bei einem Inline-SVG geht das nicht: Dort bekommt der Button ein aria-label, und das SVG wird mit aria-hidden="true" und focusable="false" stillgelegt. Der Name beschreibt in beiden Fällen die Handlung, nicht das Symbol.

Fertiges Beispiel
<button type="button">
  <img src="/img/schliessen.svg" alt="Dialog schließen">
</button>
Satzgerüst

VerbObjekt Beispiel: „Dialog schließen“, „Video abspielen“, „Menü öffnen“.

  • So ist es richtig <button type="button" aria-label="Dialog schließen"> <svg aria-hidden="true" focusable="false" viewBox="0 0 24 24">…</svg> </button>

    Der Name sitzt am Bedienelement, die Grafik ist stillgelegt – eine Ansage, nicht zwei.

  • So besser nicht <button type="button"> <svg viewBox="0 0 24 24">…</svg> </button>

    Kein zugänglicher Name: Der Screenreader sagt nur „Schaltfläche“.

Es enthält Text kein Logo

Text im Bild

Der Text im Bild gehört wörtlich ins alt – besser noch: als echter Text auf die Seite.

WCAG 1.4.5 verlangt echten Text statt Text in Bildern, sobald sich dieselbe Wirkung mit CSS erreichen lässt; ausgenommen sind nur Logos und Fälle, in denen die konkrete Darstellung wesentlich ist. Der Grund ist praktisch: Text im Bild skaliert nicht mit der Schriftgröße, verpixelt beim Zoom, ignoriert Dark Mode und eigene Farbschemata, lässt sich nicht kopieren, nicht durchsuchen und nicht übersetzen. Solange die Grafik bleibt, muss das alt den Wortlaut vollständig enthalten.

Fertiges Beispiel
<img src="aktion-banner.png"
     alt="20 Prozent Rabatt auf alle Kurse bis 31. August 2026">
Satzgerüst

der Text, so wie er im Bild steht Wörtlich – nicht zusammenfassen, nichts weglassen.

  • So ist es richtig alt="20 Prozent Rabatt auf alle Kurse bis 31. August 2026"

    Der volle Wortlaut steht zur Verfügung – inklusive Frist.

  • So besser nicht alt="Rabattaktion"

    Fasst zusammen. Prozentsatz und Frist gehen verloren – genau die Angaben, auf die es ankommt.

Diagramm oder Datengrafik Daten stehen nur im Bild

Diagramm ohne Textalternative

Kurzes alt mit der Kernaussage, ausführliche Beschreibung daneben – ein Alt-Text allein trägt ein Diagramm nicht.

Ein Diagramm hat zwei Ebenen: die Aussage („der Wert steigt“) und die Daten (die einzelnen Zahlen). Ins alt gehört die Aussage in einem Satz. Die Zahlen gehören in eine Langbeschreibung – am besten in eine echte Datentabelle unter der Grafik, verknüpft über aria-describedby. Ein Alt-Text mit zwölf Messwerten wird am Stück vorgelesen und ist nicht navigierbar; eine Tabelle kann man zellenweise durchgehen.

Fertiges Beispiel
<figure>
  <img src="kontrastfehler.png"
       alt="Balkendiagramm: Kontrastfehler sind mit Abstand der häufigste Verstoß"
       aria-describedby="diagramm-daten">
  <figcaption>Häufigste WCAG-Verstöße, WebAIM Million 2026</figcaption>
</figure>
<table id="diagramm-daten">…</table>
Satzgerüst

Diagrammtyp : die Aussage in einem Satz

  • So ist es richtig alt="Balkendiagramm: Kontrastfehler sind der häufigste Verstoß" + Datentabelle unter der Grafik

    Aussage sofort hörbar, Zahlen navigierbar.

  • So besser nicht alt="Balkendiagramm mit den Werten 83,9 – 58,6 – 45,0 – 32,4 – 21,1 – 19,7 …"

    Zahlenkette am Stück. Nicht merkbar, nicht navigierbar, nicht zuordenbar.

Diagramm oder Datengrafik Daten stehen auch als Text da

Diagramm mit Datentabelle

Die Tabelle trägt die Daten – das alt nennt nur die Aussage und verweist darauf.

Wenn dieselben Werte bereits als Tabelle oder Fließtext auf der Seite stehen, ist die Textalternative erfüllt. Das alt darf dann kurz bleiben: die Kernaussage plus ein Hinweis, wo die Werte stehen. Wichtig ist die Reihenfolge im Quelltext – die Tabelle sollte unmittelbar folgen, damit der Verweis nicht ins Leere zeigt.

Fertiges Beispiel
<img src="umsatz-2026.png"
     alt="Liniendiagramm: Umsatz steigt von Januar bis Juni um 18 Prozent – Werte in der Tabelle darunter">
Satzgerüst

die Aussage in einem Satz Werte in der Tabelle darunter

  • So ist es richtig alt="Umsatz steigt Januar bis Juni um 18 Prozent – Werte in der Tabelle darunter"

    Aussage plus Wegweiser. Wer mehr braucht, findet die Tabelle.

  • So besser nicht alt=""

    Die Aussage des Diagramms geht verloren. Eine Tabelle ersetzt keine Zusammenfassung.

Deinen Entwurf gegenprüfen

Ein paar Muster, die fast immer auf ein Problem hindeuten. Das ist eine Heuristik, keine Bewertung: Ob dein Alt-Text inhaltlich passt, kann kein Werkzeug beurteilen – dafür muss man das Bild sehen.

Worauf das Prüffeld schaut (9 Muster)
Platzhalter statt Beschreibung
Das sieht nach einem Platzhalter aus, den das CMS oder ein Template hinterlassen hat.
Beginnt mit „Bild von“, „Grafik“, „Foto“
Redundant: Screenreader sagen die Rolle „Grafik“ von sich aus an. Die Einleitung kostet nur Zeit.
Endet auf „Bild“, „Icon“, „Logo“
Die Rollenangabe gehört nicht in den Text – sie kommt aus dem Element selbst.
Enthält eine Dateiendung
Vermutlich der Dateiname statt eines Alt-Textes. Auch Unterstriche und %20 sind ein Verdachtsmoment.
Länger als 125 Zeichen
Lang. Kein hartes Limit, aber ein guter Anlass zu prüfen, ob der Rest in eine Langbeschreibung gehört.
Identisch mit der Bildunterschrift
Wird zweimal hintereinander vorgelesen. Entweder das alt kürzen oder auf alt="" setzen.
Leer, obwohl der Fall eine Beschreibung verlangt
Widerspruch zur getroffenen Entscheidung: Dieser Fall braucht Text im alt.
Text, obwohl der Fall alt="" verlangt
Widerspruch zur getroffenen Entscheidung: Hier ist ein leeres alt richtig.
Enthält „hier“, „mehr“ oder „weiterlesen“
Bei einem Bild-Link wird das alt zum Linktext. Solche Formulierungen benennen kein Ziel.

Was diese Entscheidungshilfe nicht kann

Sie kennt dein Bild nicht. Es gibt keinen Upload, keine Bildanalyse und keinen KI-Vorschlag – die Entscheidung trifft sie mit dir, die Formulierung bleibt deine. Ob ein Alt-Text zutreffend ist, kann auch kein anderes Werkzeug prüfen.

Wie sich Alternativtexte in einen vollständigen Prüfablauf einordnen, steht unter Barrierefreiheit selbst testen; was automatische Werkzeuge leisten und was nicht, zeigt der Vergleich der Prüfwerkzeuge.

Dieses Werkzeug ist nach denselben Regeln gebaut, die es erklärt: echte Radiobuttons mit Label, Fokus auf dem Ergebnis, Ansage in einer Live-Region, Zielgrößen über 24 Pixel – und ohne JavaScript vollständig lesbar. Nichts wird übertragen oder gespeichert; die Auswertung läuft in deinem Browser.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Bild hat immer genau eine von fünf Rollen: dekorativ, informativ, funktional, Text im Bild oder Datengrafik. Aus der Rolle folgt die Entscheidung – nicht aus dem Motiv.
  • alt="" und ein fehlendes alt sind das Gegenteil voneinander: Das leere Attribut nimmt das Bild aus der Ausgabe, ein fehlendes Attribut lässt Screenreader die Bildadresse vorlesen.
  • Bei einem Bild-Link wird das alt zum Linktext. Es beschreibt also das Ziel („Warenkorb öffnen“), nicht die Grafik („Einkaufswagen-Symbol“).
  • Steht dieselbe Information schon im Absatz daneben, ist alt="" richtig. Doppelte Ansagen sind keine zusätzliche Barrierefreiheit, sondern Lärm.
  • Diagramme brauchen zwei Ebenen: die Aussage in einem Satz im alt, die Zahlen als Datentabelle oder Fließtext. Ein alt mit zwölf Messwerten ist nicht navigierbar.
  • Maßgeblich ist WCAG 1.1.1 „Nicht-Text-Inhalte“ auf Stufe A – über EN 301 549 damit auch für alle Angebote, die unter das BFSG fallen.
  • Die Entscheidungshilfe generiert nichts. Sie kennt dein Bild nicht, sie kennt nur die Entscheidung – und begründet sie. Kein Upload, kein Konto, keine E-Mail-Adresse.
  • Stand August 2026 sind die deutschsprachigen Alt-Text-Werkzeuge im Markt durchweg KI-Generatoren. Sie liefern auch dann eine Beschreibung, wenn alt="" richtig gewesen wäre.

Die fünf Rollen eines Bildes

Alternativtexte werden meist als Schreibaufgabe behandelt. Das ist der Grund, warum so viele danebengehen: Wer eine Beschreibung schreiben soll, beschreibt das Bild. Gefragt ist aber etwas anderes – ein Ersatz, der dieselbe Funktion erfüllt wie das Bild.

Und diese Funktion ist immer eine von fünf:

Dekoration. Trennlinien, Stimmungsbilder, Hintergrundgrafiken. Nimmt man sie weg, fehlt keine Information. Sie bekommen alt="" – oder sie gehören gar nicht ins HTML, sondern ins CSS.

Information. Screenshots, Produktabbildungen, Skizzen. Hier zählt nicht, was alles zu sehen ist, sondern was für die Aussage der Seite gebraucht wird.

Funktion. Das Bild sitzt in einem Link oder Button. Dann ist es kein Bild mehr, sondern ein Bedienelement – und der Alternativtext ist sein Name. Wie sich Link und Button dabei unterscheiden, steht unter Buttons vs. Links; für Icon-Buttons ohne Beschriftung gilt zusätzlich das, was unter Icons und SVGs beschrieben ist.

Text im Bild. Werbebanner, Zitatgrafiken, abfotografierte Preislisten. WCAG 1.4.5 „Bilder von Text“ verlangt hier eigentlich echten Text; solange die Grafik bleibt, muss der Wortlaut vollständig ins alt. Logos sind der einzige ausdrücklich ausgenommene Fall.

Datengrafik. Balken, Linien, Karten. Der Alternativtext trägt die Aussage, die Zahlen gehören in eine Datentabelle oder in den Fließtext – wie das im Detail aussieht, zeigen die barrierefreien Diagramme.

Warum alt="" etwas anderes ist als kein alt

Diese beiden Zeilen sehen fast gleich aus und bewirken das Gegenteil:

<img src="ornament-2026-final-v3.svg" alt="">
<img src="ornament-2026-final-v3.svg">

Die erste Zeile sagt: Dieses Bild ist bewusst ohne Alternative. Screenreader nehmen es aus der Ausgabe und überspringen es kommentarlos. Die zweite Zeile sagt gar nichts – und weil ein Bild ohne jede Alternative für Screenreader ein Problem ist, behelfen sich die meisten damit, die Bildadresse vorzulesen. Aus der Trennlinie wird dann „ornament strich 2026 final v3 punkt s v g“.

Das ist der Grund, warum die häufigste Prüfmeldung überhaupt „img ohne alt“ lautet und warum sie im Struktur-Check als Fehler geführt wird, ein leeres alt dagegen nur als Hinweis. Ein CMS, das das Attribut bei leerem Feld weglässt statt es leer zu schreiben, produziert diesen Fehler serienweise – ein Blick in die Ausgabe des eigenen Systems lohnt sich.

Der häufigste Irrtum: das Motiv beschreiben

In der Praxis begegnet mir eine Sorte Alt-Text am häufigsten, und sie ist immer nach demselben Muster gebaut: sachlich richtig, vollständig – und am Zweck vorbei.

Ein Beispiel aus einem Relaunch, den ich begleitet habe. Auf der Seite ging es um sichtbaren Fokus, daneben ein Screenshot. Der Alt-Text lautete: „Screenshot eines Anmeldeformulars auf weißem Hintergrund mit zwei Eingabefeldern und einem blauen Button“. Alles zutreffend. Nur kam der Fokusrahmen, um den es im ganzen Absatz ging, darin nicht vor.

Der Test, der das zuverlässig aufdeckt, dauert zehn Sekunden: Lies den Absatz vor und ersetze das Bild durch deinen Alt-Text. Ergibt der Text weiterhin Sinn, stimmt die Beschreibung. Klingt sie wie ein Einschub aus einem anderen Dokument, beschreibt sie das Motiv statt der Aussage.

Daraus folgt auch, dass derselbe Screenshot auf zwei Seiten zwei verschiedene Alt-Texte braucht. Alternativtexte sind nichts, was zum Bild gehört – sie gehören zur Stelle, an der es steht. Genau deshalb funktioniert kein Generator, der nur das Bild kennt.

So prüfst du einen fertigen Alt-Text

Für den Moment, in dem der Text schon dasteht und du wissen willst, ob er trägt:

  1. Rolle bestimmen. Dekorativ, informativ, funktional, Text im Bild oder Datengrafik? Die Fragen oben im Werkzeug führen in höchstens drei Schritten dorthin.
  2. Vorlesetest machen. Absatz lesen, Bild durch den Alt-Text ersetzen. Bleibt die Aussage stehen?
  3. Auf Füllwörter prüfen. „Bild von“, „Grafik“, „Foto“ am Anfang streichen – die Rolle sagt der Screenreader von sich aus an. Dasselbe gilt für „Logo“ und „Icon“ am Ende.
  4. Gegen die Bildunterschrift halten. Steht dort derselbe Satz, wird er zweimal vorgelesen. Dann kürzen oder auf alt="" gehen; die Aufgabenteilung erklärt figure und figcaption.
  5. Länge einschätzen. Über 125 Zeichen ist kein Verstoß, aber ein Signal: Gehört der Rest in eine Langbeschreibung?
  6. Im Prüffeld gegenlesen. Das Feld unter dem Ergebnis prüft die neun Muster, die sich maschinell erkennen lassen – Dateinamen, Platzhalter, Rollenwörter, Widersprüche zur getroffenen Entscheidung.
  7. Mit dem Screenreader hören. Der letzte Schritt bleibt Handarbeit: mit NVDA testen oder mit VoiceOver testen.

Was diese Entscheidungshilfe nicht kann

Sie kennt dein Bild nicht. Es gibt keinen Upload, keine Bildanalyse, keinen KI-Vorschlag – und das ist Absicht, nicht ein fehlendes Feature. Ob ein Alternativtext zutrifft, kann grundsätzlich kein Werkzeug beurteilen, weder dieses noch axe, WAVE oder Lighthouse. Sie alle prüfen, ob ein alt da ist, nicht, ob es stimmt. Was automatische Prüfung leisten kann und wo sie endet, ordnet der Vergleich der Prüfwerkzeuge ein.

Wer eine Formulierung generiert haben möchte, findet den Abschnitt zu KI-generierten Alternativtexten unter Alt-Texte richtig schreiben. Und wer wissen will, warum ein guter Alt-Text nebenbei auch der Bildersuche hilft, findet das unter Bild-SEO – in dieser Reihenfolge, nicht umgekehrt.

Häufige Fragen

Wann ist alt="" richtig und wann ein Fehler?

Richtig ist alt="" in genau drei Fällen: bei reiner Dekoration, wenn dieselbe Information schon im Text daneben steht, und wenn ein Bild zusammen mit sichtbarem Text im selben Link liegt. Falsch ist es immer dann, wenn das Bild allein ein Bedienelement ist – ein Bild-Link mit leerem alt hat überhaupt keinen Namen.

Wie lang darf ein Alt-Text sein?

Es gibt kein Limit in der Norm. Die verbreiteten 125 Zeichen sind eine Faustregel, kein Grenzwert – sie stammen aus alten Screenreader-Versionen. Praktisch ist die Frage wichtiger als die Zahl: Alles, was länger als ein, zwei Sätze wird, ist meist eine Langbeschreibung und gehört als Text auf die Seite, wo alle sie lesen können.

Muss ein Alt-Text Keywords enthalten?

Nein. Ein Alternativtext ist eine Textalternative für Menschen, die das Bild nicht sehen – das ist seine einzige Aufgabe. Dass Suchmaschinen ihn mitlesen, ist ein Nebeneffekt. Ein passender Alt-Text enthält die relevanten Begriffe ohnehin; ein mit Keywords gefüllter ist für Screenreader-Nutzer unbrauchbar und für Google seit Jahren kein Vorteil mehr.

Gilt dieselbe Entscheidung auch in Word und PDF?

Ja. Word, PowerPoint und PDF kennen dasselbe Konzept, inklusive der Markierung „als dekorativ kennzeichnen“ – das ist dort das Gegenstück zu alt="". Die Fragen oben führen also auch für Dokumente zum richtigen Ergebnis. Die Umsetzung im jeweiligen Programm beschreiben PDF-Barrierefreiheit und barrierefreie Office-Dokumente.

Werden meine Eingaben gespeichert?

Nein. Das Werkzeug hat kein Backend: Die Fragen, das Ergebnis und das Prüffeld laufen vollständig in deinem Browser. Es wird nichts übertragen, nichts gespeichert und keine E-Mail-Adresse verlangt.

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Quellen

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