WCAG-Zertifizierung: welche Nachweise zählen

Eine WCAG-Zertifizierung läuft über die dokumentierte Prüfung durch eine unabhängige Stelle: als BIK BITV-Test mit Prüfzeichen, als WACA-Zertifikat in Gold, Silber oder Bronze, als TÜV-Prüfung nach EN 301 549 oder als freies Audit mit Prüfbericht. Der Maßstab ist bei allen derselbe. Er besteht aus den WCAG-Erfolgskriterien der Stufen A und AA. Das W3C veröffentlicht den Standard und überlässt Prüfungen und Zertifikate unabhängigen Prüfstellen.

Zertifizierungs-Check: Wie nah ist deine Website am WCAG-Zertifikat?

Gib bis zu drei Seiten deiner Website ein. Der Check prüft sie gegen den maschinell prüfbaren Teil der 55 WCAG-Kriterien, die ein Zertifikat verlangt. Du siehst, was dem Zertifikat im Weg steht, was ein Mensch entscheiden muss und welcher Nachweis zu deinem Anlass passt.

Stichprobe erweitern: zwei weitere Seiten prüfen

Prüfstellen testen eine Auswahl typischer Seiten. Nimm zum Beispiel eine Seite mit Formular und eine Produkt- oder Artikelseite dazu. Ab zwei Seiten vergleicht der Check auch Titel und Navigation.

Geprüft werden genau diese Adressen. Der Check folgt keinen Links, und weder die Adressen noch das Ergebnis werden gespeichert (Datenschutzhinweis).

Welcher Nachweis passt zu dir, und was kostet er? Zwei Fragen, dann siehst du den passenden Weg mit Kostenrahmen.

BIK BITV-Test mit Prüfbericht

Passend für: Öffentliche Ausschreibung

Der BITV-Test ist in Deutschland das Verfahren mit dem größten Gewicht, weil sein Ablauf öffentlich dokumentiert ist. Er prüft in 98 Prüfschritten 88 Anforderungen. Eine Person prüft, und eine externe Qualitätssicherung validiert das Ergebnis. Bei voller Erfüllung gibt es das Prüfzeichen „BIK BITV-konform“.

Kostenrahmen, Stand September 2026

  • Bis 5 Seiten: Das Rechenbeispiel des BIK nennt rund 4.200 Euro netto für sieben Seiten plus Grundgebühr. Deine Auswahl liegt darunter.
  • 6 bis 10 Seiten: Das Rechenbeispiel des BIK nennt rund 4.200 Euro netto für sieben Seiten plus Grundgebühr. Mit jeder weiteren Seite steigt der Preis.
  • 11 bis 20 Seiten: Das Rechenbeispiel des BIK nennt rund 4.200 Euro netto für sieben Seiten plus Grundgebühr. Mit 11 bis 20 Seiten liegt dein Umfang deutlich darüber.
  • Mehr als 20 Seiten: Das Rechenbeispiel des BIK nennt rund 4.200 Euro netto für sieben Seiten plus Grundgebühr. Bei mehr als 20 Seiten lohnt eine gut begründete Seitenauswahl.

Aktueller Prüfbericht plus Erklärung nach § 14 BFSG

Passend für: Pflicht nach dem BFSG

Für die Pflicht nach dem BFSG zählt ein nachvollziehbarer Prüfbericht, dazu die Informationen zur Barrierefreiheit nach § 14 BFSG. Ein bestimmtes Siegel schreibt das Gesetz nicht vor. Ein freies Audit reicht deshalb meist aus.

Kostenrahmen, Stand September 2026

  • Bis 5 Seiten: Ein freies Audit liegt nach meiner Erfahrung unter den Preisen der Zertifikate. Für bis zu fünf Seiten rechne mit wenigen Personentagen.
  • 6 bis 10 Seiten: Ein freies Audit liegt nach meiner Erfahrung unter den Preisen der Zertifikate. Der Aufwand wächst mit jedem zusätzlichen Seitentyp und Ablauf.
  • 11 bis 20 Seiten: Ein freies Audit liegt nach meiner Erfahrung unter den Preisen der Zertifikate. Bei 11 bis 20 Seiten lohnt es, Seitentypen zu bündeln.
  • Mehr als 20 Seiten: Ein freies Audit liegt nach meiner Erfahrung unter den Preisen der Zertifikate. Bei mehr als 20 Seiten prüft man Vorlagen und Abläufe statt jede einzelne Seite.

WACA- oder TÜV-Zertifikat mit sichtbarem Label

Passend für: Siegel für die Außenwirkung

Das WACA-Zertifikat prüft nach WCAG 2.2 AA und vergibt Gold, Silber oder Bronze. Es gilt drei Jahre, zwei Kontrollaudits sind enthalten. TÜV-Gesellschaften zertifizieren nach EN 301 549, auch Apps und Software.

Kostenrahmen, Stand September 2026

  • Bis 5 Seiten: WACA berechnet für bis zu 5 Seiten 1.900 Euro netto (Stand September 2026).
  • 6 bis 10 Seiten: WACA berechnet für 6 bis 10 Seiten 4.000 Euro netto (Stand September 2026).
  • 11 bis 20 Seiten: WACA berechnet für 11 bis 20 Seiten 8.000 Euro netto (Stand September 2026).
  • Mehr als 20 Seiten: Die veröffentlichte WACA-Staffel endet bei 20 Seiten und 8.000 Euro netto. Für einen größeren Umfang brauchst du ein eigenes Angebot.

Freies Audit mit priorisierter Maßnahmenliste

Passend für: Laufende Entwicklung

Ein freies Audit prüft von Hand in frei vereinbartem Umfang und liefert eine Liste der Befunde nach Dringlichkeit. Ein Prüfzeichen gibt es dafür nicht. Dafür passt der Umfang genau zu dem, was dein Team als Nächstes umbaut.

Kostenrahmen, Stand September 2026

  • Bis 5 Seiten: Für bis zu fünf Seiten rechne mit wenigen Personentagen.
  • 6 bis 10 Seiten: Der Aufwand liegt bei wenigen Personentagen und wächst mit jedem zusätzlichen Seitentyp.
  • 11 bis 20 Seiten: Bei 11 bis 20 Seiten lohnt es, Seitentypen zu bündeln. Der Aufwand wächst mit jedem Typ.
  • Mehr als 20 Seiten: Bei mehr als 20 Seiten prüft man Vorlagen und Abläufe statt jede einzelne Seite.

Konformitätsbericht (ACR) auf Basis der VPAT-Vorlage

Passend für: Software-Beschaffung

Ein Accessibility Conformance Report ist eine Selbstauskunft mit dokumentierten Testergebnissen je Kriterium. Internationale Einkäufer verlangen ihn für Software und Webanwendungen.

Kostenrahmen, Stand September 2026

  • Bis 5 Seiten: Der Aufwand hängt vom Umfang der Anwendung ab. Die Testergebnisse eines Audits sind die Grundlage des Berichts.
  • 6 bis 10 Seiten: Der Aufwand hängt vom Umfang der Anwendung ab. Die Testergebnisse eines Audits sind die Grundlage des Berichts.
  • 11 bis 20 Seiten: Der Aufwand hängt vom Umfang der Anwendung ab. Die Testergebnisse eines Audits sind die Grundlage des Berichts.
  • Mehr als 20 Seiten: Der Aufwand hängt vom Umfang der Anwendung ab. Die Testergebnisse eines Audits sind die Grundlage des Berichts.
Ergebnis besprechen oder von Hand prüfen lassen Ehrliche Einschätzung zu Nachweis, Lücken und Aufwand.

Den Teil, den keine Maschine sieht, prüft ein Mensch mit Tastatur und Screenreader. Schick mir deine Anfrage, gern mit dem Ergebnis des Checks. Du bekommst eine ehrliche Einschätzung: welcher Nachweis zu deinem Anlass passt, was vor der Zertifizierung noch fehlt und welcher Aufwand realistisch ist.

Deine Angaben nutze ich nur, um deine Anfrage zu beantworten. Einen Newsletter bekommst du dadurch nicht (Datenschutzhinweis).

Welche der 55 Kriterien der Check mitprüft 26 teilweise maschinell, 29 nur von Hand.

Der Check sieht in 26 Kriterien nach, jeweils in dem Teil, der im ausgelieferten Quelltext steht. Kein Kriterium gilt dadurch als erfüllt. Die übrigen 29 Kriterien prüft nur ein Mensch mit Tastatur, Screenreader und Urteil.

1 Wahrnehmbar

2 Bedienbar

3 Verständlich

4 Robust

Was dieser Check nicht prüft

Der Check liest das ausgelieferte HTML und die Stylesheets. Tastaturwege, Fokusreihenfolge, Vorlesereihenfolge, Farbkontraste im gerenderten Layout und die Verständlichkeit von Texten sieht er nicht. Was erst JavaScript im Browser aufbaut, bleibt ebenfalls außen vor. Über ein Zertifikat entscheidet deshalb immer eine Prüfung von Hand.

Kontraste misst der Kontrast-Check, die rechtliche Einordnung liefert die BFSG-Prüfung. Wie beides in einen vollständigen Ablauf passt, steht unter Barrierefreiheit selbst testen.

Dieses Werkzeug ist nach denselben Regeln gebaut, die es prüft: beschriftete Felder, Fortschritt als Text statt als Spinner, Fokus auf dem Ergebnis, Status nie allein über die Farbe und ohne JavaScript vollständig nutzbar.

Nach einem WCAG-Zertifikat wird meist aus drei Anlässen gesucht: Eine Ausschreibung verlangt einen Nachweis, das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz macht Barrierefreiheit zur Pflicht, oder ein Unternehmen will die geleistete Arbeit nach außen zeigen. Diese Seite ordnet die Zertifikate, Prüfzeichen und Siegel ein, beschreibt den Weg von der ersten Prüfung zum fertigen Nachweis und nennt die Kosten, die dabei anfallen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein WCAG-Zertifikat bestätigt die Konformität einer Website mit allen Erfolgskriterien einer Stufe, in der Praxis WCAG 2.1 oder 2.2 auf Stufe AA.
  • Ausgestellt wird es von unabhängigen Prüfstellen. Das W3C prüft selbst keine Websites und beschreibt als Nachweisform die Konformitätserklärung des Anbieters.
  • Der BIK BITV-Test ist das verbreitetste deutsche Prüfverfahren: 98 Prüfschritte, verpflichtende Zweitprüfung und bei voller Erfüllung das Prüfzeichen „BIK BITV-konform“.
  • Das WACA-Zertifikat aus Österreich prüft nach WCAG 2.2 AA und vergibt Gold, Silber oder Bronze. Stand September 2026 kostet es je nach Umfang 1.900 bis 8.000 Euro netto und gilt drei Jahre.
  • TÜV-Gesellschaften zertifizieren nach EN 301 549, auch Apps und Software.
  • Ein freies Audit mit Prüfbericht ist der flexibelste Nachweis. Für die Barrierefreiheitserklärung und viele Vergabeverfahren reicht er aus.
  • Für Fachleute gibt es Zertifizierungen der Person: CPACC und WAS der IAAP.

Abgrenzung: Standard und Gesetz. Diese Seite vergleicht Zertifikate und Siegel nach dem technischen Standard WCAG. Was davon vor dem deutschen Gesetz zählt, samt Konformitätserklärung und CE-Regeln, steht unter BFSG-Zertifizierung. Ob das Gesetz für dein Angebot gilt, klärt kostenlos die BFSG-Prüfung mit 16 Fragen.

Was ein WCAG-Zertifikat bestätigt

Die WCAG kennen drei Konformitätsstufen A, AA und AAA. Konform ist eine Seite erst, wenn sie alle Kriterien der angestrebten Stufe erfüllt, und zwar auf jeder geprüften Seite und in jedem geprüften Ablauf. Teilpunkte gibt es dabei keine. Genau diese Alles-oder-nichts-Logik macht ein ernst gemeintes Zertifikat wertvoll und eine oberflächliche Plakette wertlos.

Die Rollen sind dabei klar verteilt: Das W3C entwickelt den Standard, veröffentlicht die 55 Erfolgskriterien der Stufen A und AA und definiert in den Konformitätsbedingungen, wie eine Konformitätserklärung aufgebaut ist. Die Prüfung im Markt übernehmen unabhängige Stellen mit eigenen Verfahren und eigenen Prüfzeichen. Deshalb begegnen dir mehrere Zertifikatsnamen über einem gemeinsamen Maßstab.

Für jede Aussage zur Konformität gilt: Sie braucht Version und Stufe. „Konform mit WCAG 2.2, Stufe AA“ ist eine prüfbare Angabe. „WCAG-zertifiziert“ ohne beides ist ein Werbetext.

WCAG-Zertifikate und Siegel im Vergleich

Stand September 2026 sind das die etablierten Nachweise im deutschsprachigen Raum:

Nachweis Herkunft Verfahren Ergebnis
BIK BITV-Test (Web) Deutschland, BIK-Prüfverbund 98 Prüfschritte gegen die EN 301 549 mit externer Zweitprüfung Prüfbericht und bei voller Erfüllung das Prüfzeichen „BIK BITV-konform“
WACA-Zertifikat Österreich, WACA mit TÜV Austria Audit nach WCAG 2.2 AA samt Zufallsstichprobe und jährlichen Kontrollaudits Zertifikat in Gold, Silber oder Bronze mit dynamischem Label
TÜV-Zertifikat Deutschland, etwa TÜV SÜD Prüfung nach EN 301 549 Zertifikat und Prüfzeichen des Prüfdienstleisters
„Zugang für alle“ Schweiz, Stiftung „Zugang für alle“ Expertenprüfung nach WCAG Zertifikat der Stiftung
Freies WCAG-Audit anbieterunabhängig manuelle Prüfung mit frei vereinbartem Umfang Prüfbericht mit priorisierter Maßnahmenliste
ACR auf VPAT-Basis international, Vorlage des ITI Selbstauskunft mit dokumentierten Testergebnissen Accessibility Conformance Report für Beschaffungen

Der BIK BITV-Test ist in Deutschland der Nachweis mit dem größten Gewicht, weil sein Verfahren öffentlich dokumentiert ist und jede Prüfung durch eine zweite, unabhängige Person abgesichert wird. Ablauf, Prüfschritte und Kosten des BITV-Tests habe ich auf einer eigenen Seite beschrieben, samt der Abgrenzung zum VPAT.

Das WACA-Zertifikat ist das erste unabhängige Web-Zertifikat im europäischen Raum und für deutsch- und englischsprachige Websites gedacht. Geprüft wird nach WCAG 2.2 AA. Die Preisstaffel richtet sich nach der Zahl der auditierten Seiten: Stand September 2026 kosten bis zu 5 Seiten 1.900 Euro netto, 6 bis 10 Seiten 4.000 Euro und 11 bis 20 Seiten 8.000 Euro. Das Zertifikat gilt drei Jahre, zwei kurze Kontrollaudits sind enthalten, die Urkunde stellt die TÜV Trust IT der TÜV Austria Group aus. Das eingebundene Label zeigt den aktuellen Status und enthält einen Meldeweg für Beanstandungen.

TÜV-Zertifikate nach EN 301 549 spielen ihre Stärke bei Software, Apps und Selbstbedienungsterminals aus, wo ein reiner Web-Test zu kurz greift.

So läuft die WCAG-Prüfung ab

Der Weg zum Zertifikat ist bei allen Anbietern ähnlich und besteht aus vier Schritten:

  1. Eigenprüfung. Mit automatischen Tools und manuellen Checks findest du die offensichtlichen Barrieren selbst. Den maschinell prüfbaren Teil übernimmt der Zertifizierungs-Check oben auf dieser Seite. Jede hier behobene Barriere senkt die spätere Prüfzeit.
  2. Behebung der Befunde. Die häufigsten Durchfaller sind messbar: das Kontrast-Minimum aus Kriterium 1.4.3, fehlende Beschriftungen und Tastaturfallen.
  3. Prüfung durch die Stelle. Die Prüfstelle wählt eine repräsentative Seitenauswahl, bei WACA ergänzt um eine Zufallsstichprobe, und testet vollständige Abläufe wie Login oder Checkout von Anfang bis Ende.
  4. Nachweis veröffentlichen. Prüfbericht, Prüfzeichen oder Label kommen auf die Website, die Ergebnisse in die Barrierefreiheitserklärung.

Jedes Ergebnis bezieht sich auf den geprüften Stand. Ein Relaunch, ein neues Template oder ein zusätzliches Widget verändern die Grundlage. Seriöse Anbieter verlangen deshalb eine Meldung größerer Umbauten und begrenzen die Gültigkeit.

Audit oder Zertifikat: was du wofür brauchst

Anlass Passender Nachweis
Öffentliche Ausschreibung BITV-Test oder gleichwertiges dokumentiertes Verfahren
Pflicht nach dem BFSG aktueller Prüfbericht plus Erklärung nach § 14 BFSG
Außenwirkung und Vertrauen WACA- oder TÜV-Zertifikat mit sichtbarem Label
Laufende Entwicklung freies Audit mit priorisierter Maßnahmenliste
Internationale Software-Beschaffung ACR auf VPAT-Basis

Im Einkauf und in der Vergabe zählt die Nachvollziehbarkeit mehr als der Name des Siegels: Ein Bericht, der je Befund Seite, Kriterium und Status nennt, schlägt jede Plakette. Formulierungshilfen für die Anforderungsseite stehen im Lastenheft-Leitfaden mit Abnahmekriterien. Für die reine Pflichterfüllung nach dem BFSG wiederum brauchst du kein bestimmtes Siegel. Welche Unterlagen dort zählen, steht in der Übersicht der Nachweise für die BFSG-Zertifizierung.

Woran du ein seriöses Siegel erkennst

Der Markt wächst, und mit ihm die Zahl der Plaketten. Diese Merkmale trennen belastbare Zertifikate von Dekoration:

  • Veröffentlichtes Prüfverfahren. Beim BITV-Test kannst du jeden der 98 Prüfschritte nachlesen. Ein Siegel ohne einsehbare Methodik ist eine Behauptung.
  • Version, Stufe und Prüfdatum stehen auf dem Zertifikat oder im verlinkten Bericht.
  • Eine benannte, unabhängige Prüfstelle hat getestet. Selbstvergebene Siegel des Website-Betreibers zählen nirgends.
  • Ein Meldeweg existiert, über den Beanstandungen die Zertifizierungsstelle erreichen.
  • Befristete Gültigkeit mit Kontrollaudits oder Re-Zertifizierung.

Zurückhaltung empfehle ich bei Badges, die ein eingebautes Skript vergibt: Barrierefreiheits-Overlays versprechen Konformität per Einbindung, und genau diese Versprechen halten Prüfungen regelmäßig nicht stand. Vorsicht gilt auch bei Prozentwerten wie „95 Prozent barrierefrei“: Der BITV-Test hat sein Punktesystem 2019 abgeschafft, weil Konformität keine Teilnoten kennt.

WCAG-Zertifizierung für Personen

Neben der Website lässt sich auch Fachwissen zertifizieren. Die IAAP (International Association of Accessibility Professionals) vergibt das Grundlagen-Zertifikat CPACC und das technische Zertifikat WAS (Web Accessibility Specialist); im deutschsprachigen Raum organisiert das der Ableger IAAP D-A-CH. Wer beruflich prüfen will, kann sich zusätzlich im BIK-Prüfverbund zur BITV-Prüferin oder zum BITV-Prüfer schulen lassen. Für Teams, die Barrierefreiheit dauerhaft verankern, ist eine zertifizierte Person im Haus oft wirksamer als jedes externe Siegel.

Was eine WCAG-Zertifizierung kostet

Die Preise folgen dem Prüfumfang, also der Zahl der Seitentypen und Abläufe. Als Anhaltspunkte, Stand September 2026: Das Rechenbeispiel von BIK nennt für sieben Seiten rund 4.200 Euro netto plus Grundgebühr. WACA staffelt von 1.900 Euro (bis 5 Seiten) bis 8.000 Euro (11 bis 20 Seiten). Freie Audits liegen nach meiner Erfahrung darunter, liefern dafür kein Prüfzeichen. Den Aufwand je Prüfstufe in Personentagen und eine Checkliste für vergleichbare Angebote habe ich gesondert aufgeschlüsselt. Den größten Hebel hast du selbst: Je gründlicher die Eigenprüfung, desto kürzer und günstiger die Zertifizierung.

Häufige Fragen

Gibt es ein offizielles WCAG-Zertifikat?

Als offizielle Nachweise gelten die Zertifikate unabhängiger Prüfstellen, etwa das Prüfzeichen „BIK BITV-konform“, das WACA-Zertifikat oder TÜV-Zertifikate nach EN 301 549. Das W3C als Herausgeber der WCAG vergibt selbst keine Zertifikate und verweist für Konformitätsaussagen auf die Erklärung des Anbieters. Ein einzelnes, weltweit einheitliches WCAG-Siegel existiert deshalb in Form dieser Prüfstellen-Zertifikate.

Was kostet eine WCAG-Zertifizierung?

Stand September 2026 liegen die Einstiegspreise bei etwa 1.900 Euro netto für kleine Websites (WACA, bis 5 auditierte Seiten). Das BIK-Rechenbeispiel nennt rund 4.200 Euro netto für sieben Seiten plus Grundgebühr. Komplexe Anwendungen mit Login, Checkout und vielen Seitentypen kosten mehr, weil jeder Ablauf vollständig geprüft wird. Freie Audits ohne Prüfzeichen sind meist günstiger.

Wie lange ist ein WCAG-Zertifikat gültig?

Das WACA-Zertifikat gilt drei Jahre und wird durch zwei jährliche Kontrollaudits abgesichert. Ein BITV-Prüfbericht dokumentiert den geprüften Stand ohne formales Ablaufdatum. Praktisch endet seine Aussagekraft mit der nächsten größeren Änderung der Website. Deshalb gehört zu jedem Nachweis ein Prüfdatum, und ein Relaunch macht eine neue Prüfung nötig.

Wer darf eine WCAG-Prüfung durchführen?

Ein Audit mit Prüfbericht darf jede fachkundige Person durchführen, denn die WCAG-Kriterien und die Testregeln sind offen dokumentiert. Prüfzeichen wie „BIK BITV-konform“ vergeben ausschließlich die Prüfstellen des jeweiligen Verbunds mit externer Qualitätssicherung. Personen-Zertifikate wie CPACC und WAS belegen die Qualifikation der Prüfenden und werden in Ausschreibungen zunehmend genannt.

Reicht ein automatisches Tool für ein Zertifikat?

Automatische Werkzeuge finden nur einen Teil der Barrieren, Schätzungen reichen von einem Viertel bis zur Hälfte. Sie prüfen, ob ein Attribut vorhanden ist. Ob sein Inhalt stimmt, beurteilt ein Mensch mit Tastatur und Screenreader. Jedes ernst gemeinte Zertifikat beruht deshalb auf manueller Prüfung, und ein Siegel allein auf Scanner-Basis ist ein Warnsignal. Für die Vorbereitung taugt ein Scanner trotzdem: Der Zertifizierungs-Check auf dieser Seite zeigt, welche Blocker schon im Quelltext stehen.

Prüfung von Hand anfragenDer nächste Schritt nach dem Check: Ergebnis besprechen, passenden Nachweis wählen und den Aufwand realistisch einschätzen (unverbindlich).

Kein Rechtsrat. Diese Seite ordnet Zertifikate und Prüfverfahren aus der Praxis ein und ersetzt keine rechtliche Beratung, etwa zu Vergaberecht oder Werbeaussagen. Für verbindliche Auskünfte hilft eine fachkundige Stelle.

Quellen

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